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November 18, 2022
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Was die Kinder und Jugendlichen seit 2010 von den Regierungen fordern: Der 3-Punkte-Plan zur Rettung unserer Zukunft

Der Sechste Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) hat es erneut bestätigt: Wir müssen, neben einer Umstellung auf erneuerbare Energien, auch natürliche Speicherungsmöglichkeiten für Kohlenstoff einbeziehen, um die Klimakrise abzuwenden. Plant-for-the-Planet hat schon seit 2010 mit dem „3-Punkte-Plan“ gefordert, dass fossile Brennstoffe in der Erde bleiben, dass Armut durch Klimagerechtigkeit bekämpft wird und gleichzeitig Bäume gepflanzt werden müssen. Diese Bäume binden Kohlenstoff und verschaffen uns Menschen wertvolle Zeit, um die Energiewende voranzutreiben und eine lebenswerte Zukunft zu schaffen.

Bereits am 1. Juli 2010 übergaben unsere Botschafter*innen für Klimagerechtigkeit eben diesen „3-Punkte-Plan“ an 133 Botschaften in Berlin – zusammen mit der Aufforderung an die Regierungschefs, ebenso offenzulegen, was sie dazu beitragen, die Klimakrise zu lösen und damit die Zukunft der Kinder zu retten. Ein paar Monate später, am 2. Februar 2011, stellte Felix den Plan der Kinder und Jugendlichen in seiner berühmten Rede den Vereinten Nationen vor:

  1. Lasst uns 1.000 Milliarden Bäume pflanzen.
  2. Lasst die fossilen Energieträger im Boden.
  3. Bekämpft Armut durch Klimagerechtigkeit.

Natürlich hat sich seit 2010 einiges in unserer strategischen Ausrichtung geändert, um die ausgerufenen Ziele zu erreichen. So konzentrieren wir uns beispielsweise nicht mehr ausschließlich auf das Pflanzen von einzelnen Bäumen, sondern wählen unterschiedliche Renaturierungsmethoden, abhängig vom Degradierungsgrad der Flächen und basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Renaturierungsökologie. Das Ziel: Waldökosysteme in ihrer ursprünglichen Form wiederherzustellen und die Artenvielfalt zurückzubringen. Gleichzeitig setzen wir uns gemeinsam mit Regierungen und Partnerorganisationen für den Schutz intakter Wald-Ökosysteme ein.

Enrichment Planting in Bacalar, Mexiko
Je nach Grad der Zerstörung wählen wir die passende Renaturierungsmethode, um Wald-Ökosysteme wiederherzustellen.

Und noch etwas hat sich seit 2010 natürlich stark verändert: Die Menge an CO2, die die Menschheit bis 2050 noch ausstoßen darf, um unter der 1,5-Grad-Grenze zu bleiben, ist mittlerweile weit unter die geschätzten 600 Milliarden Tonnen gesunken. Laut aktuellem Global Carbon Budget Bericht 2022 besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Erderwärmung von 1,5°C bereits in neun Jahren – also im Jahr 2031 – überschritten wird, wenn die Emissionsmengen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Auch sprachen wir 2010 noch von der 2-Grad-Grenze der Erderwärmung. Heute wissen wir jedoch, dass das Ziel maximal +1,5°C lauten darf, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch zu verhindern. 

Im Kern sind die Forderungen der Kinder und Jugendlichen auch über zehn Jahre später aktueller denn je:

Unser 3-Punkte-Plan zur Rettung unserer Zukunft aus dem Jahr 2010

1) Lasst uns 1.000 Milliarden Bäume pflanzen.
Wir wollen die bestehenden Wälder schützen und Milliarden neue Bäume pflanzen. Insgesamt 1.000 Milliarden neue Bäume. Es gibt auf der Erde noch eine Milliarde Hektar an Fläche, die bewaldet werden kann, also 10.000 Milliarden Quadratmeter Fläche, die nicht in Konkurrenz zu anderer Nutzung steht. Durch die Umrechnung in Quadratmeter können wir uns besser vorstellen, wie viele Bäume wir pflanzen können. Denn auf einen Quadratmeter werden viele Setzlinge gepflanzt und der Wald verjüngt sich später, d.h. nicht jeder Setzling wird auch zu einem großen mächtigen Baum. 1.000 Milliarden Bäume – das klingt nach sehr viel. Aber das sind nur 150 Bäume pro Mensch.

2) Lasst die fossilen Energieträger im Boden.
Bis 2050 müssen wir Menschen den CO2-Ausstoß auf Null senken. Die Technologie für eine CO2-freie Zukunft gibt es längst. Mit der heutigen Technik ist es möglich, dass wir Menschen bis 2050 weltweit unsere Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen und ohne Atomkraftwerke gewinnen.

3) Bekämpft Armut durch Klimagerechtigkeit.
Um die weitere Erderwärmung auf die von den Regierungschefs in Kopenhagen versprochenen 2°C zu beschränken, dürfen bis 2050 nur noch 600 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Verbrauchen wir mehr CO2, steigt die weltweite Durchschnittstemperatur um mehr als 2°C an. Wenn das passiert, könnte das Grönlandeis vollkommen schmelzen und damit der Meeresspiegel um 7 Meter ansteigen. Teilen wir 600 Milliarden Tonnen CO2 durch 40 Jahre, ergibt das 15 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr für alle. Zum Vergleich: In 2010 waren es 31 Milliarden Tonnen CO2

Stellt sich nur die Frage, wie wir diese 15 Milliarden Tonnen CO2 unter der Weltbevölkerung aufteilen? So wie heute: 60 Prozent für die USA und Europa? Für uns Kinder gibt es nur eine Lösung: Jeder bekommt das Gleiche, nämlich 1,5 Tonnen CO2 pro Mensch und Jahr bei circa 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050. Wer mehr CO2 ausstoßen will, muss zahlen, und zwar an diejenigen, die weniger verbrauchen. Dieses Prinzip der Klimagerechtigkeit sorgt dafür, dass die Armut bekämpft wird.