
Die Renaturierung von Wäldern ist ein schrittweiser Prozess: Er beginnt mit dem Verständnis des Bodens und endet nicht, sobald die Setzlinge gepflanzt sind. Jede Phase spielt eine entscheidende Rolle, damit neue Wälder wachsen, überleben und langfristig Artenvielfalt fördern können. Diese sieben Schritte zeigen, wie jeder einzelne dazu beiträgt, widerstandsfähige Ökosysteme aufzubauen.
1 Analyse des Bodens

Unser Renaturierungsteam untersucht Bodenbeschaffenheit, Niederschlag und heimische Arten in degradierten sowie angrenzenden Gebieten, um zu bestimmen, was nötig ist, um gesunde, artenreiche Wälder wiederherzustellen.
In einigen Fällen – etwa in Mexiko – analysiert das Team auch, welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Flächen optimal auf die Pflanzung von Setzlingen vorzubereiten. Manche Böden können nach langen Perioden der Rinderhaltung völlig ungeeignet für Pflanzungen sein. Auf unserer Renaturierungsfläche in Constitución, Mexiko, beispielsweise mussten wir den stark verdichteten Boden auflockern und belüften. Nach vielen Jahren als Weideland war er so hart, dass es nahezu unmöglich gewesen wäre, ihn zu bearbeiten – geschweige denn zu bepflanzen. Durch diese Maßnahmen wird der Boden wieder aufnahmefähig für neue Setzlinge ein neuer Wald kann entstehen.
Manchmal stellt sich heraus, dass bestimmte Flächen gar keine Eingriffe benötigen, sondern lediglich Schutz und Monitoring. Natürlich regenerierte Wälder sind oft stabiler, da sie Belastungen besser standhalten können als gepflanzte Wälder. Wenn der Waldboden vielversprechend ist, Bäume eigene Samen produzieren und bereits neue Setzlinge wachsen, besteht kein Bedarf einzugreifen – es gilt lediglich sicherzustellen, dass benachbarte Landwirtschaft oder Brände keinen Schaden verursachen. In solchen Fällen ist es der beste Ansatz, einen Schritt zurückzutreten und der Natur die Regeneration zu überlassen.
Diese vorbereitenden Maßnahmen stellen sicher, dass Setzlinge die bestmöglichen Überlebenschancen haben, und sind ein entscheidender Schritt, bevor mit der Pflanzung begonnen wird.
2 Samen sammeln


Das Sammeln heimischer Samen erfordert viel Geduld und Ressourcen. In manchen Fällen kommen spezielle Sicherheitsausrüstung und Seile zum Einsatz, um Samen hoch oben in den Baumkronen zu erreichen (siehe Foto oben von unserer Renaturierungsberaterin Dr. Anna Gee). Anschließend müssen die Samen aufbereitet und getestet werden, um sicherzustellen, dass sie keimfähig sind. Dieser Prozess ist notwendig, um den Erhalt und die Vermehrung heimischer Arten zu gewährleisten.
Um dies effektiv umzusetzen, arbeiten wir mit lokalen Gemeinschaften (Ejidos), Regierungen und Wissenschaftler*innen zusammen, die die Flächen genau kennen. So können wir heimische und seltene Arten sammeln, die tatsächlich in das jeweilige Ökosystem gehören.
Die Pflanzung nicht-heimischer Baumarten birgt das Risiko ökologischer Schäden, deren Auswirkungen schwer vorhersehbar sind. Zwar wachsen nicht-heimische Arten oft schneller oder sind widerstandsfähiger gegenüber Bränden und Stürmen, doch können sie auch bestehende Vegetation verdrängen und das Ökosystem verändern. Dies kann weitreichende Folgen haben – etwa für Tierarten, die auf heimische Pflanzen angewiesen sind.
In seltenen Fällen kann es notwendig sein, bestimmte Bäume zu entfernen, wenn sie dem Ökosystem eindeutig schaden. So haben wir beispielsweise einen Baum entfernt, weil er Ressourcen von neu gepflanzten heimischen Bäumen abzog und durch seinen Schatten verhinderte, dass andere Arten unter ihm wachsen konnten.
3 Setzlinge heranziehen

Je nach Jahreszeit und Umweltbedingungen ziehen wir Setzlinge mit den höchsten Überlebenschancen heran. Manche wirken auf den ersten Blick wenig vielversprechend – etwa nur ein dünner Stängel mit einem kleinen Wurzelsystem – doch sie sind oft widerstandsfähiger, als sie aussehen.
Wir achten darauf, dass die Setzlinge von der Baumschule bis zur Pflanzfläche sorgfältig behandelt werden. Es ist beeindruckend, ganze LKW-Ladungen von Setzlingen zu sehen, die zu den Pflanzflächen transportiert werden.
4 Pflanzflächen vorbereiten

Bevor mit dem Pflanzen begonnen wird, entfernen wir Gräser rund um die Pflanzbereiche, meist indem wir mit Macheten Schneisen schlagen, um den Prozess zu beschleunigen.
Die Vorbereitung der Flächen gehört zu den körperlich anspruchsvollsten Teilen der Renaturierung. Beim Entfernen von Lianen und Unkraut müssen wir zudem vorsichtig sein, da sich Schlangen im Unterholz verstecken können. Um das Risiko zu verringern, machen wir Lärm und stampfen auf den Boden, um sie auf unsere Anwesenheit aufmerksam zu machen.
Anschließend heben wir mit Holzstangen Pflanzlöcher aus. Dies geschieht in der Regel während der Regenzeit, wenn der Boden weich genug ist, um bearbeitet zu werden. Das Ausheben der Löcher ist oft der arbeitsintensivste Schritt, daher versuchen wir, diese Arbeiten früh am Tag abzuschließen, bevor es zu heiß wird.
Diese Phase ist unentbehrlich für eine erfolgreiche Pflanzsaison.
5 Setzlinge einpflanzen


Das höchste Risiko für die jungen Bäumchen besteht während der Pflanzung. Deshalb erfolgt das Pflanzen in der Regenzeit, wenn die Feuchtigkeit die Überlebensrate erhöht.
Die Setzlinge werden erst dann vorsichtig zur Pflanzfläche transportiert, wenn alle Löcher vorbereitet sind. Sie werden behutsam in den Boden gesetzt, und ihre Wurzeln werden mit feuchtem Erdreich bedeckt, das Lücken füllt und die Setzlinge stabilisiert.
Wir pflanzen jeweils Gruppen aus drei verschiedenen Baumarten zusammen. So verhindert man, dass sich ein Wald zu einer Monokultur entwickelt, und fördert stattdessen die Biodiversität. Unterschiedliche Arten benötigen unterschiedliche Ressourcen, sodass sie nebeneinander existieren können, ohne direkt miteinander zu konkurrieren.
6 Junge Bäume schützen


In den ersten Jahren konkurrieren schnell wachsende Gräser mit den Setzlingen um Wasser und Sonnenlicht, was ihr Überleben bedroht. Wir schneiden regelmäßig die Vegetation rund um die jungen Bäume, damit sie genügend Raum und Ressourcen zum Wachsen haben.
Gräser und Unkraut erhöhen zudem das Brandrisiko. In der Regenzeit wachsen sie schnell; in der Trockenzeit trocknen sie aus und werden stark entflammbar. Selbst ein Funke aus der Ferne kann sich so rasch ausbreiten. Um dem vorzubeugen, schneiden wir die Vegetation zurück und legen Brandschneisen an, um die jungen Wälder zu schützen.
Darüber hinaus setzen wir natürliche Strategien zur Brandprävention ein, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Imker*innen (lies den Blogbeitrag dazu hier). Bienen fördern das Wachstum bestimmter Grasarten, die problematischeres Unkraut verdrängen. Diese Gräser lassen sich leichter kontrollieren und reduzieren den Bedarf an intensiven Rodungsmaßnahmen.
7 Langfristiges Monitoring


Wir überwachen kontinuierlich die Setzlinge und das gesamte Ökosystem, um zu verstehen, was funktioniert, und Verbesserungen vorzunehmen, wo nötig. Mit Hilfe von verteilten Monitoring-Flächen sammeln wir das ganze Jahr über Daten, um den Impact zu messen und zu verbessern.
Das Feedback von Feldarbeiter*innen und lokalen Partner*innen hilft ebenfalls dabei, Pflanz- und Samen-Sammelmethoden zu optimieren. Die Beobachtung älterer Renaturierungsflächen ermöglicht es uns, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und die Ergebnisse in neuen Wäldern zu verbessern.
Jeder Schritt dieses Prozesses ist entscheidend! Entdecke unsere anderen Blogbeiträge, um mehr über unsere Renaturierung zu erfahren.












