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Wie alleinerziehende Mütter und einheimische Landwirt*innen die Regenwälder in Madagaskar transformieren

Der Wachstumsprozess von Bäumen ist extrem komplex. Von der Baumschule bis zu den ersten Jahren des Wachstums brauchen sie die bestmögliche Pflege für möglichst gute Überlebenschancen. Um diese weiter zu steigern, verfolgt die Organisation Green Again Madagascar einen datengesteuerten Ansatz in Kombination mit ökologischem Fachwissen.

Green Again Madagascar Matt and Catherine

Wir sprachen mit Matt Hill (Amerikaner) und Catherine Hill (Madagassin), die, nachdem sie auf die Zerstörung der madagassischen Regenwälder aufmerksam wurden, Green Again Madagascar gegründet haben. Gemeinsam mit ihrer dreijährigen Tochter Nirina Gladys leben sie in Tamatave an der Ostküste von Madagaskar. Sie sprachen mit uns über ihre Arbeit bei Green Again und darüber, wie ihre Bemühungen absolut großartige Ergebnisse bei der Renaturierung in Madagaskar erzielen konnten.

Über Green Again, ihre zwei Grundprinzipien und die Möglichkeit für Einheimische ohne spezifische Vorkenntnisse, mitarbeiten zu können

Green Again Madagascar Data Recording

Green Again ist eine datengestützte Nichtregierungsorganisation (NGO), die von madagassischen Landwirt*innen geführt wird. In erster Linie bauen wir unsere eigenen Lebensmittel an und betreiben gleichzeitig noch wissenschaftliche und ökologische Arbeit. Zusammen mit unseren Mitarbeiter*innen und Partner*innen haben wir ein gemeinsames Interesse daran, Ökologie als Mittel zur Renaturierung des Regenwaldes in Ost-Madagaskar zu verstehen.

Green Again Madagascar orientiert sich dabei an zwei Grundprinzipien:

Wir pflanzen keine Bäume, wir lassen sie wachsen. In den letzten sieben Jahren haben wir eine intelligente Methode der Baumpflanzung entwickelt, die zu sehr hohen Überlebensraten führt. Diese basiert auf einem fünfjährigen Pflegeprogramm. Jeder von Green Again gepflanzte Baum wird über einen Zeitraum von fünf Jahren “betreut” – davon mindestens 18 Monate in der Baumschule und über drei Jahre nach der Pflanzung. Dadurch hebt sich Green Again von anderen Organisationen ab und gewährleistet eine höhere Überlebensrate. Die Überlebensrate unserer Bäume liegt bei über 70 %, im Vergleich zu 30-35 % bei Bäumen ohne längere Pflege. Wir wenden diese Zeit und Aufmerksamkeit auf, damit die Renaturierung im Osten Madagaskars schneller und effizienter vonstatten gehen kann.

Green Again Madagascar Women staff

Es geht nicht um die Bäume, es geht um die Menschen. Die oberste Priorität von Green Again sind die Menschen in den Dörfern, in denen wir arbeiten. Als wir das erste Mal ein Renaturierungsprojekt vorschlugen, wurde uns gesagt, dass dies mit den lokalen madagassischen Landwirt*innen nicht möglich wäre, da diese mit ihrem geringen Alter von zehn Jahren kaum gebildet seien. Wir waren entschlossen, diese Annahme zu widerlegen, und bauten die Organisation auf, um den madagassischen Landwirt*innen und Gemeinden Bildung und Chancen zu bieten.  

Unsere Öko-Schule, in der wir unsere Mitarbeiter*innen für den Anbau und die Datenerfassung schulen, beginnt ganz am Anfang: mit der Alphabetisierung. Wir bringen ihnen das Alphabet und die Zahlen bei und zeigen ihnen, wie man Computer und GPS-Geräte bedient sowie Daten einträgt. Sie durchlaufen mehrere Stufen der Ausbildung und Prüfung und erhalten jedes Mal eine Gehaltserhöhung, sobald sie eine Stufe absolviert haben. Wenn sie fertig sind, haben sie somit nicht nur mehr Geld für ihre Familien, sondern sie haben auch Fähigkeiten erlernt, die der ganzen Gemeinschaft zugute kommen. Wir verlangen von unseren Bewerber*innen keinen Hochschulabschluss, noch nicht einmal, dass sie lesen oder schreiben können. Und wir erwarten auch nicht, dass sie Erfahrung im Anbau von Lebensmitteln und Pflanzen haben. 

Mit diesen Qualifikationen schafft Green Again ein talentiertes Team von Landwirt*innen, die ökologisch sinnvolle Inhalte selber anwenden können, anstatt Ökolog*innen von außen hinzuziehen zu müssen. Dies ist ein neues Modell in der Welt der NGOs, mit dem wir zunehmend Erfolg haben. Unsere Bäume haben im Vergleich zu anderen eine höhere Überlebensrate, weil unsere Verantwortlichen ihr ganzes Leben lang in der Region Landwirtschaft betrieben haben, um sich und ihre Familien zu versorgen. Sie sind gut darin, weil sie es sein müssen. 

Green Again hat es sich zum Ziel gesetzt, alleinerziehende Mütter einzustellen. Sobald ihre Kinder in der Schule sind, haben alleinerziehende Mütter Vorrang in der Baumschule. Sie belüften die Pflanzen, jäten das Unkraut und entfernen Schnecken. Wir stellen auch Waisenkinder ein, die nach der Schule in der Baumschule helfen und sich so ein Taschengeld für Schuhe oder andere wichtige Dinge verdienen können. Ein Waisenkind in Madagaskar zu sein ist zweifelsohne verheerend, daher bekommen sie Vorrang und wir versuchen sie bestmöglich zu unterstützen. Wir investieren in unsere Mitarbeiter*innen, weil wir von den langfristigen Vorteilen, die daraus entstehen, überzeugt sind.

Die Bekämpfung von Waldbränden und Einführung in eine datenintensive ökologisch sinnvolle Handlungsweise 

Green Again Madagascar Forest fires

Waldbrände 

Unsere größte Herausforderung sind Brände – insbesondere Brände, die durch Tavy, eine madagassische Art der Brandrodung, verursacht werden. Diese laugt den Boden aus und zerstört den Lebensraum der dort lebenden Tiere. Leider geraten die Brände oft außer Kontrolle und schädigen benachbarte Wälder. Uns ist bewusst, dass dies für viele madagassische Landwirt*innen eine notwendige Praxis ist, um ihre Familien zu ernähren. Daher stellen wir uns die Frage: “Wie können wir diese Schäden verringern?” Wir erforschen derzeit, welche Baumarten Brände am besten überstehen, damit wir zukünftige Anpflanzungen mit feuerhemmenden Bäumen optimieren können. Intsia Bijuga ist eine Baumart, die sehr feuerbeständig ist und deswegen oft am Rande unserer Pflanzflächen zu finden ist.

Leider kommt es nach Waldbränden häufig zu einer starken Vermehrung nicht heimischer Farne. Diese schnellwachsenden Farne breiten sich aus und konkurrieren mit den Bäumen um Nährstoffe und Platz. Wir testen verschiedene Ansätze, um die besten Methoden zur Entfernung von Farnen und anderem Unkraut zu finden, damit sich die Bäume ungehindert entwickeln können.

Green Again Madagascar GPS

Datenintensive, ökologisch sinnvolle Vorgehensweisen

Da Matt ein kleiner, selbsternannter Datennerd ist, hat er eine Methode für die Anpflanzung von Bäumen entwickelt, die sich stark auf Daten, Analysen und spezielle Software stützt. Je mehr Daten wir haben, desto höher ist die Überlebensrate unserer Bäume und desto schneller können wir den Regenwald im Osten Madagaskars renaturieren. Um jedoch unsere datenintensive, ökologisch sinnvolle Vorgehensweise durchzuführen, die höhere Überlebensraten der Bäume gewährleistet, müssen unsere Mitarbeiter*innen in der Lage sein, zu messen, aufzuzeichnen, Berichte zu erstellen, ein GPS-Gerät zu verwenden und die gesammelten Daten in eine Excel-Tabelle einzulesen. Also das Wichtigste zuerst. Wir haben ein Programm ins Leben gerufen, das unsere zukünftigen Mitarbeiter*innen, von denen die meisten zu Beginn Analphabet*innen sind, zu Datensammler*innen ausbildet. 

Das Anbaudesign und der Versuchsaufbau sind komplizierte Konzepte und müssen von Einheimischen an Einheimische in ihrer Muttersprache vermittelt werden. Die Schulung der Mitarbeiter*innen ist ein langwieriger Prozess, der viel Zeit und die Hälfte des Jahresbudgets von Green Again in Anspruch nimmt. Dennoch halten wir es für die beste Möglichkeit, da sie Arbeitsplätze schafft und die Verantwortung für die Renaturierung vor Ort bleibt. Nach fünf Jahren Schulung haben die Mitarbeiter*innen so viel gelernt, dass sie beispielsweise Excel verwenden können, um Baummessungen durchzuführen und Wachstumszyklen zu verfolgen. Bislang haben 30 Mitarbeiter*innen diesen Qualifikationsstand erreicht (als Anreiz für ihre tägliche Arbeit erhalten sie am Ende des Tages ein Bier oder eine Cola, um sich ein wenig amüsieren zu können). Die “Universität der Bäume”, wie unsere Öko-Schule liebevoll genannt wird, verändert somit nachhaltig die Beschäftigungsstruktur in unserer Region.

Die Plant-for-the-Planet Plattform

Green Again Madagascar Preparation

Green Again ist eine kleine NGO mit einem entsprechend geringen Budget und ehrenamtlichen Verwaltungsmitarbeiter*innen. Plant-for-the-Planet ermöglicht uns eine unvergleichliche Sichtbarkeit und bringt uns direkt mit all jenen in Kontakt, die Bäume mit möglichst hohen Überlebensraten pflanzen wollen. Sie stärken unsere Programme und können den Erfolg für Madagaskar vorantreiben.

Wir freuen uns daher sehr, dass wir unsere Kräfte für die Renaturierung des Regenwaldes bündeln können.Wir von Green Again freuen uns unglaublich über den Erfolg der Trillion Tree Campaign. Wir sind überrascht, wie schnell Menschen auf dieser Plattform für Green Again gespendet haben und hoffen, dass noch viele Weitere, die sich für das Klima, die Ökologie und Madagaskar interessieren, uns und andere unterstützenswerte Organisationen auf diesem Weg finden.

Was passiert mit Deiner Spende?

Green Again Madagascar Set to plant

Nach dem Erhalt Deiner Spende gelangt diese entweder zu einer Einrichtung oder einem renaturierungs-bedürftigem Stück Land. Diese Gebiete finden wir durch Partnerschaften mit Landbesitzer*innen. Die örtlichen Landbesitzer*innen sind sich über die Vorteile und die Wertsteigerung ihres Landes bewusst, wenn sie mit uns zusammenarbeiten und Bäume sowie andere Pflanzen zur Renaturierung anpflanzen. 

Sobald wir eine*n Kooperationspartner*in gefunden haben, entwerfen wir das Anbaudesign und überlegen uns, welche Baumarten für das jeweilige Gebiet am besten geeignet sind. Wie viele Setzlinge passen auf die Fläche? Welches Team wird sich um die Pflege der Bäume in den nächsten fünf Jahren kümmern? Wer wird die ganzen Daten erheben und dokumentieren? Gibt es möglicherweise bereits erhobene Daten, die für den Anbau von Bedeutung sein könnten? Wir sammeln geeignete Setzlinge vom Waldboden und übergeben sie der Baumschule. Unser Team von Landwirt*innen verwaltet die Baumschulen, in denen wir 87 verschiedene Arten heranziehen, die im Osten Madagaskars heimisch sind. 18 Monate lang werden die Setzlinge gepflegt, bewässert und belüftet, bis sie kräftig genug sind, um die Baumschule zu verlassen und ausgepflanzt zu werden.

Am Tag der Pflanzung müssen unsere Mitarbeiter*innen das Land in mühsamer Handarbeit mit Macheten von störenden Pflanzen befreien. Dann pflanzen wir die Bäume und zeichnen ihre jeweilige GPS-Position, Höhe und Breite auf. Im Rahmen unseres erweiterten Pflegeprogramms werden für jeden Baum mindestens drei Jahre lang verschiedene Daten erhoben. Nach diesen drei Jahren sind unsere Bäume um die 1,80m groß und damit stark genug, um allein überleben zu können. Wir lassen uns bewusst Zeit, um wissenschaftlich korrekt zu arbeiten und sicher zu gehen, dass unsere Bäume bestmöglich für das weitere Überleben vorbereitet sind.

Referenzwälder, funktionale Merkmale und lokal gesammelte Setzlinge

Green Again Madagascar Seedlings

Die Auswahl von Arten für die Bepflanzung ist ein unglaublich komplizierter Prozess, der auf sehr akribische und wissenschaftliche Weise durchgeführt werden muss. Glücklicherweise hat Green Again überaus fähige Ökolog*innen im Team, die uns bei diesem Prozess unterstützen können. Sie stellen uns ihre Zeit und ihr Wissen zur Verfügung, um uns dabei zu helfen, mit jeder Pflanzung unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse auszubauen.

Bei der Auswahl der Arten berücksichtigen wir drei Faktoren:

Sobald wir ein geeignetes Stück Land gefunden haben, suchen wir zunächst nach einem “Referenzwald”. Da wir nicht wissen können, wie der Wald hier vor seiner Zerstörung ausgesehen hat, benötigen wir eben genau diesen Referenzwald, damit wir uns an ihm orientieren können. Entsprechend wählen wir die verschiedenen Baumarten aus und können so einen renaturierten Wald mit besonders großen Überlebenschancen heranziehen. Dafür muss logischerweise der Referenzwald möglichst nah am Grundstück liegen, damit die Bedingungen sich nicht zu sehr unterscheiden. Denn wenn Arten in der Nähe gedeihen, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf dem neuen Grundstück gedeihen. Unsere Referenzwälder liegen in einer maximalen fußläufigen Entfernung von zwei Stunden zur neuen Pflanzfläche. Wenn wir beispielsweise nicht weit entfernt einen 180 Jahre alten Baum sehen, können wir annehmen, dass seine Setzlinge eine gute Überlebenschance haben werden. 

Die zweite notwendige Überlegung bei der Auswahl von Arten sind funktionaler Natur. Durch die Kombination von Arten, die miteinander harmonieren und sich gegenseitig ergänzen, kann sich das Ökosystem besonders gut entwickeln und hat deutlich bessere Überlebenschancen. Im Ökosystem Wald übernehmen verschiedene Spezies verschiedene Aufgaben wie den Abbau von organischem Material, Windschutz, Bodenfestigung usw. Bei der Planung müssen wir sicherstellen, dass jede Aufgabe erfüllt wird. Dementsprechend wählen wir die einzelnen Arten mit größtem Bedacht aus.

Drittens kaufen wir Setzlinge niemals ein, sondern beziehen sie immer aus der Region. Wir sammeln Wildlinge aus den nahegelegenen gesunden Wäldern. Wildlinge sind Setzlinge, die nicht in einer Baumschule gezüchtet werden, sondern im Wald in der Nähe ausgewachsener Bäume zu finden sind. Normalerweise werden sie von Insekten gefressen und sterben ab. Deswegen können wir ohne Sorgen einen Teil von ihnen einsammeln und in die Baumschule bringen. Durch das Sammeln von Wildlingen können wir die Arbeit in der Baumschule um neun Monate verkürzen. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Wildlinge aus fußläufiger Entfernung um die neue Anbaufläche stammen. Denn nicht alle Setzlinge sind gleich, auch wenn es sich um dieselbe Art handelt. Sie entwickeln sich unterschiedlich, um in verschiedenen Umgebungen zu überleben, und sollten daher für eine gute Überlebensrate aus der jeweiligen Region kommen.

Wir sehen uns selbst gerne als “Sanitäter*innen des Waldes”. Nur durch den Einsatz der richtigen Mittel kann es gelingen, einen Wald wieder zum Leben zu erwecken und ihn stabil zu halten. Wenn wir einen geeigneten Referenzwald und die richtigen funktionalen Merkmale auswählen sowie Saatgut aus der Region beziehen, kann anschließend die Natur das tun, was sie am besten kann – und wir werden Zeug*innen einer wirklich wahrhaftigen Renaturierung.

Warum du uns weiterhin unterstützen oder genau jetzt damit anfangen solltest

Green Again Madagascar Data Collection

Ein Baum kostet bei Green Again 3,12€. Dieser geringe Betrag deckt die kompletten Kosten für fünf Jahre Pflege. Das Beste daran ist, dass ein Teil des Geldes an die wundervollen madagassischen Landwirt*innen geht, die diese anspruchsvolle Arbeit in unseren Baumschulen und Pflanzgebieten leisten. Jede Spende stärkt somit die Familien und Gemeinden vor Ort. 

Wenn Du also die Renaturierung in einem der artenreichsten Länder der Welt unterstützen möchtest, statte unserer Website gerne einen Besuch ab und informiere Dich über unsere nachhaltige Arbeit.

Wir garantieren Dir, dass Deine gespendeten Bäume gut gepflegt werden und die zahlreichen Phasen der Renaturierung bestmöglich überstehen. Werde Green Again-Unterstützer*in und hilf uns bei unserer wissenschaftlichen und datengestützten Arbeit.