
Berlin, 28. September 2026. Bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien am 4. Oktober steht die Zukunft des Amazonas-Regenwaldes auf dem Spiel. Rund zwei Drittel des Amazonas liegen dort. Die politische Ausrichtung der künftigen Regierung beeinflusst maßgeblich, wie Brasilien mit Entwaldung, Waldschutz und internationalen Kooperationen zum Schutz des Regenwaldes umgehen wird. Eine Analyse von Plant-for-the-Planet zeigt, welche unterschiedlichen politischen Ansätze von den beiden Lagern um Präsident Lula da Silva und Herausforderer Flávio Bolsonaro vertreten werden und welche Folgen sie für den Amazonas haben könnten.
Einladung zur Online-Präsentation – Pressebriefing
Plant-for-the-Planet veranstaltet im Vorfeld der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen ein Pressebriefing, bei dem die Ergebnisse des Berichts ausführlich erörtert werden.
Datum: Dienstag, 29. September 2026
Uhrzeit: 14:00 – 15:00 MESZ
Ort: Online via Zoom. Bitte registrieren Sie sich hier.
Sprecher*innen:
- Artur Monteiro, brasilianischer Waldpolitikforscher, Freie Universität Berlin
- Felix Finkbeiner, Gründer und Leiter der Teams für Waldschutz und Waldpolitik, Plant-for-the-Planet Foundation
- Ana Paula Valdiones, Expertin für abholzungsfreie Lieferketten, Instituto Centro de Vida (ICV)
Analyse zur Zukunft des Amazonas-Regenwaldes nach der Wahl
„Die seit Beginn von Lulas Amtszeit deutlich sinkenden Entwaldungsraten zeigen, dass politisch unterstützter Waldschutz funktioniert. Die anstehende Wahl entscheidet, ob Brasilien den eingeschlagenen Waldschutz-Kurs fortsetzt“, erklärt Felix Finkbeiner, Gründer von Plant-for-the-Planet und Leiter der Teams für Waldschutz und Waldpolitik.

Der heute veröffentlichte Bericht von Plant-for-the-Planet vergleicht die Waldpolitik des von Präsident Lula da Silva geführten Mitte-links-Bündnisses (Partido dos Trabalhadores, PT) mit dem von Flávio Bolsonaro vertretenen rechtsgerichteten Lager (Partido Liberal, PL). Im Mittelpunkt stehen politische Entscheidungen, die für den Schutz des Amazonas besonders relevant sind: die effektive Kontrolle der Entwaldung und die Durchsetzung von Umweltgesetzen, die Anerkennung indigener Gebiete und die Ausweitung der Agrarwirtschaft im Amazonasgebiet.
Den gesamten Bericht finden Sie hier.
Entwaldung unter Bolsonaro und Lula
Lulas bisherige politische Bilanz zeigt, dass die Entwaldungsraten deutlich gesunken sind und die Regierung unter anderem durch den Einfluss der Umweltministerin Marina da Silva und durch die Stärkung von Umweltbehörden wie IBAMA, einen deutlich klimaorientierten Kurs eingeschlagen hat. Allerdings zeigt die Plant-for-the-Planet-Analyse auch, dass eine linksgerichtete Regierung Schwierigkeiten haben wird, ihr erklärtes Ziel zu erreichen, die Entwaldung bis 2030 vollständig zu beenden. Gründe dafür sind etwa begrenzte finanzielle Mittel und der starke Einfluss der Agrarwirtschaft im brasilianischen Kongress.
Auf Grundlage der Bilanz der früheren Regierung von Jair Bolsonaro und der politischen Koalition um seinen Sohn Flávio würde eine erneute Bolsonaro-Regierung ein höheres Risiko für eine Sabotage von Waldschutzbehörden bedeuten. Hinzukommen keine neuen Naturschutz- und indigenen Gebiete, eine Anheizung illegaler Abholzung durch Amnestien und ein möglicher Rückzug aus der internationalen Waldschutz-Zusammenarbeit.
Die Bedeutung des Amazonas reicht weit über Brasilien hinaus
„Die Bedeutung der Wahlen in Brasilien geht weit über die Landesgrenzen hinaus. Auch die internationale Zusammenarbeit beim Schutz des Amazonas steht auf dem Spiel. Instrumente wie die Ende des Jahres in Kraft tretende EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), REDD+-Programme und der Tropenwaldfonds TFFF bieten große Chancen für den Schutz des Amazonas. Dafür ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit der brasilianischen Regierung unerlässlich“, so Finkbeiner.
Der Amazonas-Regenwald ist für das globale Klima von zentraler Bedeutung. Er speichert große Mengen Kohlenstoff und beeinflusst über seinen gewaltigen Wasserkreislauf das Klima weit über die Region hinaus. Gleichzeitig ist der Amazonas eine der artenreichsten Regionen der Erde und damit von herausragender Bedeutung für die globale Biodiversität.
Grafiken aus dem Bericht können Sie hier finden.
Über die Autoren:
Artur Sgambatti Monteiro, Hauptautor, ist brasilianischer Experte für Umweltgovernance und internationale Zusammenarbeit mit mehr als 15 Jahren Erfahrung im Amazonasgebiet, in Lateinamerika, Europa und Afrika. Seine Arbeit konzentriert sich auf Umweltmanagement, Klima- und Naturfinanzierung, jurisdiktionale REDD+-Ansätze, nachhaltige Landschaften und soziale Schutzmechanismen. Derzeit promoviert er an der Freien Universität Berlin.
Felix Finkbeiner, Co-Autor, gründete im Alter von neun Jahren Plant-for-the-Planet. Als Leiter der Bereiche Renaturierung und Waldschutz ist er für die strategische Entwicklung von Renaturierungsprojekten zuständig. Darüber hinaus leitet er das Team für politische Arbeit, das sich auf internationale Mechanismen zum Schutz tropischer Wälder, wie der TFFF und EUDR, konzentriert.
Über Plant-for-the-Planet
Plant-for-the-Planet ist eine weltweite Klimaschutzinitiative, die 2007 von dem damals neunjährigen Felix Finkbeiner gegründet wurde. Die Organisation befähigt Kinder und Jugendliche durch Klimabildung zum aktiven Handeln und hat bis heute über 100.000 Botschafter*innen für Klimagerechtigkeit in 76 Ländern ausgebildet. Gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften treibt die Organisation die wissenschaftsbasierte Wiederherstellung biodiverser Wälder voran. Neben der praktischen Renaturierungsarbeit entwickelt die Initiative open-source Software zur Professionalisierung von Renaturierungsprojekten. Zudem setzt sich Plant-for-the-Planet politisch für effektiven Waldschutz und globale Klimagerechtigkeit ein.
Medienkontakt: Victoria Krumbeck | Pressereferentin | +49 8808-92108131 | [email protected]







