
Tutzing, 12. Oktober 2026. Bislang wurden lediglich 6.000 US-Dollar in den Cali-Fonds eingezahlt. Gleichzeitig stehen geschätzte Beiträge in Höhe von 6,9 Milliarden US-Dollar noch aus. Der Fonds wurde eingerichtet, um sicherzustellen, dass Unternehmen, die genetische Informationen aus der Natur kommerziell nutzen, einen Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten.Only US$ 6,000 has been paid into the Cali Fund so far, while an estimated US$ 6.9 billion in contributions remains outstanding. The Fund was established to ensure that companies benefiting from genetic information derived from nature contribute to biodiversity protection.
Im Vorfeld der UN-Biodiversitätskonferenz COP17 in Jerewan stellt Plant-for-the-Planet Cali Watch (caliwatch.org) vor. Die öffentliche Plattform zeigt, welche Unternehmen voraussichtlich Beiträge leisten sollen, wie viel sie bereits eingezahlt haben und welche Beträge noch ausstehen. Der Hauptgrund für die fehlenden Zahlungen der Unternehmen liegt darin, dass bisher kein Land ein Gesetz verabschiedet hat, das solche Zahlungen vorschreibt. Cali Watch verfolgt auch entsprechende Gesetzesinitiativen.
Pressebriefing zum Cali-Fonds
Datum: Mittwoch, 14. Oktober 2026
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Ort: Zoom. Bitte registrieren Sie sich hier.
Referent*innen:
- Agata Makowska-Curran, Doktorandin im Bereich Umweltökonomie, London School of Economics and Political Sciences (LSE)
- Amber Hartman Scholz, Ph. D., Leiterin des Bereichs Wissenschaftspolitik am Leibniz-Institut DSMZ
- Felix Finkbeiner, Gründer und Leiter des Bereichs Waldschutz und Waldpolitik, Plant-for-the-Planet Foundation
- Pakhi Das, Beraterin für öffentliche Politik und Leiterin von Cali Watch, Plant-for-the-Planet Foundation
Der Cali-Fonds: Vorteile der Biodiversität fair teilen
Der Biodiversitäts-Fonds wurde im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) auf der COP16 im kolumbianischen Cali beschlossen und im Februar 2025 in Rom offiziell ins Leben gerufen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Vorteile aus der kommerziellen Nutzung digitaler Sequenzinformationen (Digital Sequence Information, DSI) über genetische Ressourcen fair und gerecht geteilt werden. DSI sind Daten über die genetische Zusammensetzung lebender Organismen, darunter Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen. Unternehmen aus der Pharma-, Kosmetik- und Agrarbranche sowie aus dem Bereich KI-gestützter Biowissenschaften nutzen diese Daten, um kommerzielle Produkte zu entwickeln – von Medikamenten bis hin zu dürreresistenten Nutzpflanzen.
Ein großer Teil der genetischen Informationen, die Unternehmen nutzen, stammt aus biodiversitätsreichen Ländern des Globalen Südens. Die finanziellen Vorteile aus der kommerziellen Nutzung fließen jedoch nur selten an diese Länder oder an die indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften (Indigenous Peoples and Local Communities, IPLC) zurück, die diese Biodiversität bewahren. Der Fonds ist ein wichtiger Schritt, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren.
Milliardenlücke bei der Biodiversitätsfinanzierung
Nach dem Mechanismus des Cali-Fonds sollen große Unternehmen, die kommerziell von DSI profitieren und die festgelegten Kriterien erfüllen, entweder ein Prozent ihres Gewinns oder 0,1 Prozent ihres Umsatzes beitragen. Derzeit sind diese Beiträge jedoch freiwillig. Fast 19 Monate nach dem Start des Fonds wurden erst zwei Beiträge in Höhe von insgesamt 6.000 US-Dollar bestätigt. Damit bleibt die Summe weit hinter den geschätzten 6,9 Milliarden US-Dollar zurück, die dem Fonds zustehen, die sogenannten „Cali-Schulden”.
Die acht Unternehmen mit den höchsten geschätzten Beiträgen müssten jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar zahlen. Zusammen entfallen auf sie rund 30 Prozent der geschätzten Gesamtsumme – etwa 2,08 Milliarden US-Dollar. Sieben dieser acht Unternehmen stammen aus der Technologie- und KI-Branche.
Die USA sind, abgesehen vom Vatikan, das einzige Land, das dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt nicht beigetreten ist. Werden Unternehmen mit Sitz in den USA nicht mitgezählt, sinken die Cali-Schulden auf 3,34 Milliarden US-Dollar.
Die Finanzierungslücke sichtbar machen: Cali Watch
Mit Cali Watch wird diese Finanzierungslücke erstmals konkret beziffert und öffentlich sichtbar gemacht. Die Plattform bietet einen Überblick darüber,
- welche Unternehmen Beiträge in den Cali-Fonds eingezahlt haben,
- welche Unternehmen voraussichtlich Beiträge leisten sollen,
- wie viel sie bereits eingezahlt haben und
- welche Beträge für das laufende Jahr noch ausstehen.
Regierungen für fehlende Beiträge verantwortlich
Darüber hinaus verfolgt Cali Watch gesetzgeberische Entwicklungen und dokumentiert, welche Maßnahmen Regierungen ergreifen, um Unternehmen zu Beiträgen zum Cali-Fonds zu bewegen oder sie dazu zu verpflichten. Das internationale Abkommen zur Einrichtung des Fonds lädt Staaten ein, administrative, politische oder gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen, um Beiträge zu fördern. Bisher hat kein Land ein solches Gesetz eingeführt.
„Die geringen Beiträge zum Cali-Fonds sind vor allem ein Versagen der Gesetzgeber. Es war vom ersten Tag an klar, dass der Fonds nur dann funktionieren würde, wenn Länder Gesetze verabschieden, die ihre Unternehmen zur Einzahlung verpflichten“, sagt Felix Finkbeiner, Gründer von Plant-for-the-Planet. „Es ist peinlich, dass bisher keine einzige Regierung aktiv geworden ist. Ich hoffe, dass wir während der COP17 die erste Ankündigung hören.“
„Dennoch ist es beschämend, dass Unternehmen, die dank der biologischen Vielfalt Milliarden verdienen, nichts zum Schutz der Grundlage ihrer Geschäftsmodelle beitragen. Einige offene Fragen zu operativen Details sind keine Ausrede“, ergänzt Pakhi Das, verantwortlich für Cali Watch bei Plant-for-the-Planet.
Warum der Cali-Fonds gerade jetzt wichtig ist
Dem Cali-Fonds liegt ein neuer Ansatz für die gerechte Teilung von Vorteilen zugrunde. Anstatt jede genetische Sequenz bis zu ihrem Ursprungsland zurückzuverfolgen, zahlen die Nutzer*innen von DSI in einen gemeinsamen Fonds ein. Die Mittel werden anschließend nach vereinbarten Kriterien verteilt. Mindestens 50 Prozent der Fondsmittel sollen an IPLCs fließen. Die übrigen Mittel sollen Entwicklungsländern sowie der Biodiversitätsforschung und dem Aufbau von Kapazitäten im Umgang mit DSI zugutekommen.
Der Mechanismus befindet sich noch im Aufbau. Auf der CBD COP17, die vom 19. bis 30. Oktober 2026 in Jerewan stattfindet, sollen die Regierungen die endgültigen Schwellenwerte und Beitragssätze festlegen, eine Formel für die Verteilung der Mittel verabschieden und vereinbaren, wie die Wirksamkeit des Mechanismus künftig überprüft werden soll.
Cali Watch nutzen: caliwatch.org
Aktuelle Informationen zum Cali-Fonds während der COP17 auf WhatsApp erhalten: hier klicken.
Über Plant-for-the-Planet
Plant-for-the-Planet ist eine weltweite Klimaschutzinitiative, die 2007 von dem damals neunjährigen Felix Finkbeiner gegründet wurde. Die Organisation befähigt Kinder und Jugendliche durch Klimabildung zum aktiven Handeln und hat bis heute über 100.000 Botschafter*innen für Klimagerechtigkeit in 76 Ländern ausgebildet. Gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften treibt die Organisation die wissenschaftsbasierte Wiederherstellung biodiverser Wälder voran. Neben der praktischen Renaturierungsarbeit entwickelt die Initiative open-source Software zur Professionalisierung von Renaturierungsprojekten. Zudem setzt sich Plant-for-the-Planet politisch für effektiven Waldschutz und globale Klimagerechtigkeit ein.
Medienkontakt: Victoria Krumbeck | Pressereferentin | +49 8808-92108131 | [email protected]







