
Kolumbien und die Niederlande haben gemeinsam die erste globale Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien geleitet – und die Ergebnisse können sich sehen lassen.
Über fünfzig Länder entsandten in dieser Woche ihre Delegationen nach Santa Marta in Kolumbien. Dort trafen sie unter anderem auf Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, Delegierte aus den am stärksten von der Klimakrise betroffenen Regionen – darunter auch indigene Gemeinschaften – sowie auf Jugendvertreter*innen. Die Konferenz markiert den Auftakt eines globalen Prozesses, der sich konkret mit dem „Wie“ der Umsetzung beschäftigt: Wie lassen sich die vereinbarten Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen erreichen, um die 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens einzuhalten?
Eine zentrale Hürde für eine gerechte Transformation ist nach Einschätzung der Teilnehmenden die Frage der Finanzierung. Sowohl hohe Verschuldung als auch die Abhängigkeit von fossilen Einnahmen erschweren es vielen Ländern, den Übergang zu erneuerbaren Energien aktiv zu gestalten. Als ein Teil der Lösung wurde deshalb über die Möglichkeiten des Erlass von Schulden für die betroffenen Länder diskutiert. Ein sehr konkretes Instrument sind die sogenannten „Debt-for-Climate-Swaps“. Dies sind Finanzinstrumente, bei denen ein verschuldetes Land einen Teil seiner Schulden nicht zurückzahlt, sondern stattdessen den entsprechenden Betrag in Klimaschutz- oder Anpassungsmaßnahmen investiert. Gleichzeitig betont das Abschlussdokument der Konferenz die Notwendigkeit, fossile Subventionen abzubauen und öffentliche Mittel gezielt in den Ausbau erneuerbarer Energien umzulenken.
Globale und nationale Roadmaps
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz lag auf der Entwicklung und Umsetzung konkreter Ausstiegspfade aus fossilen Energien. Dabei ging es weniger um neue Zielsetzungen als vielmehr um die Beschleunigung bereits bestehender Verpflichtungen, insbesondere aus dem Übereinkommen von Paris.
Klar wurde: Globale Ziele müssen auf nationaler Ebene konkretisiert werden. Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, dass Länder eigene nationale Roadmaps entwickeln, um den Übergang planbar und sozial gerecht zu gestalten. Diese sollen eng mit den national festgelegten Klimabeiträgen (NDCs) verknüpft und durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt werden, wie etwa durch den neu eingerichteten wissenschaftlichen Beirat für eine globale Transformation (Science Panel for the Global Energy Transition).
Zugang zu Energie bleibt eine globale Herausforderung
Die Konferenz machte deutlich, dass die Energiewende nicht nur eine klimapolitische Notwendigkeit ist, sondern eng mit Fragen der Energiesicherheit und der Stabilität von Staaten verknüpft ist. Die anhaltende Abhängigkeit vieler Länder von fossilen Energieimporten macht sie anfällig für geopolitische Krisen und damit verbundene Preisschwankungen. Gleichzeitig haben weltweit noch immer Millionen Menschen keinen verlässlichen Zugang zu bezahlbarer Energie.
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist daher besonders in Regionen mit geringem oder fehlendem Zugang zu Strom von existenzieller Bedeutung. Er bildet die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und den Aufbau staatlicher Infrastruktur. Eine wichtige Rolle spielen dabei dezentrale Energiesysteme, etwa Mini-Grids oder Off-Grid-Lösungen – kleine Stromnetze, die Haushalte in abgelegnen Regionen versorgen. Sie nutzen, die vorwiegend in ländlichen und strukturschwachen Regionen schnell und kosteneffizient umgesetzt werden können.
Zudem kann die Elektrifizierung – etwa durch Solarenergie – einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Wäldern leisten, insbesondere in Regionen, in denen bislang Holz oder Holzkohle zur Energiegewinnung genutzt wird.
Klimagerechten Wandel vorantreiben
Die Konferenz in Santa Marta ist von großer historischer Bedeutung. Nach Jahren intensiver Verhandlungen und oft zäher Kompromisse auf den Weltklimakonferenzen (COPs) versammelten sich hier Staaten, die den Anspruch haben, konkrete Lösungen für einen gerechten Übergang und den Ausstieg aus fossilen Energien voranzubringen.
Die Ergebnisse der Konferenz sollen in die Verhandlungen im Rahmen des UNFCCC-Prozesses einfließen und – so die Hoffnung – neuen politischen Schwung für die kommenden Weltklimakonferenzen bringen.
Im nächsten Jahr wird die zweite Konferenz im pazifischen Inselstaat Tuvalu stattfinden, begleitet von einer Vor-Konferenz in Irland. Ihr wollt keine News mehr verpassen? Dann abonniert unseren Newsletter hier.












