
Investition in globale Infrastruktur für den Erhalt der Lebensgrundlagen, für Sicherheit und für Wohlstand. Für eine Erhöhung der Deutschen Finanzierung der Tropical Forest Forever Facility (TFFF)
16. April 2026
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
mit großem Interesse erwarten wir den Besuch des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva am 20. April in Deutschland auf der Hannover Messe. Wir begrüßen die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien, insbesondere zur Erhaltung der für die Menschheit wertvollen Waldregionen des Amazonas, des Atlantischen Regenwaldes und des Cerrado. Der Schutz tropischer Wälder ist eine Investition in das Weltklima, in die globale Sicherheit und in unseren künftigen Wohlstand. Der Besuch eines Vorreiters im Kampf gegen Entwaldung bietet eine wichtige Gelegenheit, Deutschlands Engagement für den internationalen Waldschutz zu bekräftigen und auszubauen. Eine Erhöhung der deutschen Investitionen in die „Tropical Forests Forever Facility“ (TFFF), Präsident Lulas zentraler Initiative zur Eindämmung tropischer Entwaldung, wäre ein starkes Signal. Als weltweit drittgrößte Volkswirtschaft hat Deutschland die Verantwortung und Möglichkeit für eine Erhöhung Ihrer in Belém gemachten Zusage. Aktuell droht die Finanzierung hinter dem Bedarf zurückzubleiben. Mögliche Kürzungen im Bundeshaushalt verstärken zudem die Sorge, dass der Tropenwaldschutz nicht ausreichend unterstützt wird.
Tropische Wälder stehen unter wachsendem Druck: Laut des „2025 Forest Declaration Assessment“ gingen 2024 8,1 Millionen Hektar Wald verloren, weitere 8,8 Millionen wurden geschädigt. Wälder sind unverzichtbar für die Stabilität unseres Planeten – sie speichern große Mengen CO₂ und sichern den Lebensunterhalt von über einer Milliarde Menschen. Zudem beherbergen sie zwei Drittel der weltweiten Biodiversität. Ihre Zerstörung ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko: Die Zerstörung der Regenwälder beschleunigt die Erreichung von Kipppunkten der Erdsysteme, zerstört die Lebensgrundlagen von Menschen und macht so Krisen durch Migration, Störungen der Lieferketten und Zoonosen mit Pandemiepotenzial wahrscheinlicher. Trotz ihrer zentralen Bedeutung sind bisher die Finanzmittel für ihren Schutz und ihre Wiederherstellung unzureichend.
Wir fordern daher die Bundesregierung auf, die finanziellen Mittel für den Schutz, die Wiederherstellung und die nachhaltige Bewirtschaftung von Tropenwäldern in der kommenden Aufstellung des Bundeshaushaltes deutlich aufzustocken. Die Forest & Climate Leaders’ Partnership (FCLP), der Deutschland angehört, betont zudem, dass Finanzierungsmittel nicht nur umfangreich, sondern auch vorhersehbar und langfristig zur Verfügung gestellt werden müssen, um den Schutz der Tropenwälder sicherzustellen.
Die TFFF ist ein entscheidender Mechanismus, um dies zu erreichen. Das Instrument ist dabei besonders innovativ: Es mobilisiert in großem Umfang privates Kapital für den Schutz der Wälder als globales öffentliches Gut. Dabei werden öffentliche Mittel gezielt als Junior-Tranche eingesetzt, um die Attraktivität für den privaten Sektor zu erhöhen. Die TFFF schafft zugleich einen finanziell nachhaltigen Mechanismus, der kontinuierliche Erträge für den Waldschutz generiert. Dieses Konzept, das groß angelegten, verifizierten Waldschutz mit vorhersehbaren finanziellen Anreizen verknüpft, behebt zentrale Mängel bestehender Finanzierungsmodelle. Es sieht zudem vor, mindestens 20 % der Mittel direkt an indigene Völker und lokale Gemeinschaften zu vergeben, die vielerorts entscheidende Beiträge zum Walderhalt liefern. Angesichts der erheblichen wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und gesundheitlichen Risiken des Tropenwaldverlustes gewinnt ein solcher Mechanismus an strategischer Bedeutung für Deutschland.
Deutschlands zugesagter Beitrag von einer Milliarde Euro ist ein wichtiges Signal, wird jedoch weder der eigenen Verantwortung noch dem Anspruch gerecht, beim Schutz und Erhalt von Tropenwäldern eine führende Rolle einzunehmen. Ein zusätzlicher Beitrag von zwei Milliarden Euro als Darlehen zur Kapitalisierung des Fonds würde den angekündigten „namhaften Betrag“ erfüllen, Führungsstärke zeigen und weitere öffentliche sowie private Mittel mobilisieren. Damit würde auch die Freigabe des norwegischen Beitrags von drei Milliarden Dollar wahrscheinlicher. Ein frühes Engagement würde Deutschland zudem Einfluss auf eine wirksame Governance sowie auf hohe ökologische und soziale Standards sichern. In Zeiten geopolitischer Spannungen wäre dies außerdem ein wichtiges Signal für die multilaterale Zusammenarbeit.
Deutschland sollte zudem Maßnahmen zur Verringerung der durch Importe verursachten Entwaldung in der Lieferketten- und Handelspolitik verstärken, Entwicklungs- und Klimafinanzierung besser auf Waldschutzziele abstimmen und Subventionen, die zur Entwaldung beitragen, in Anreize für den Naturschutz umlenken. Wichtig ist, dass eine Aufstockung der Waldfinanzierung, insbesondere die Beiträge zur TFFF, zusätzlich zu den bestehenden Finanzierungszusagen für Klima und Biodiversität erfolgt und diese nicht ersetzt.
Deutschland steht nun vor einer klaren Entscheidung. Es kann sein finanzielles Engagement an das Ausmaß der Herausforderung anpassen und seine Rolle als glaubwürdiger Vorreiter in der internationalen Umweltpolitik stärken. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, ihre Unterstützung für die TFFF durch einen zusätzlichen Darlehensbeitrag in Höhe von zwei Milliarden Euro auszuweiten und die notwendigen politischen Rahmenbedingungen zur Eindämmung der Entwaldung zu stärken. Damit würde die Bundesregierung nicht nur zum Erfolg der TFFF als innovativem und wirksamem Instrument zum notwendigen Schutz der Tropenwälder beitragen, sondern auch zur Umsetzung des Koalitionsvertrags, „einen fairen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung bereitzustellen, den Biodiversitätsschutz fortzuführen und mit dem internationalen Klimaschutz zu verknüpfen, sowie die Mobilisierung von privaten Mitteln sowie Beiträgen nicht-traditioneller Geber zu stärken“. Damit kann Deutschland dazu beitragen, die globale Finanzierungslücke im Waldbereich zu schließen, lebenswichtige Kohlenstoffsenken zu erhalten und die globale Biodiversität vor einem katastrophalen Zusammenbruch sowie dessen sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen zu schützen. Die erhöhte Investition in die TFFF ist deutlich günstiger als die Begleichung der aus einem Verlust der Wälder entstehenden Kosten. Daher brauchen wir diese Investition jetzt! Die Zeit für halbherzige Maßnahmen ist vorbei – Deutschland muss jetzt handeln, in großem Maßstab und mit dem Ehrgeiz, den diese Krise erfordert.
Mit freundlichen Grüßen,
im Namen von WWF Deutschland, OroVerde – Die Tropenwaldstiftung, Rainforest Foundation Norway, Campaign for Nature, Climate Focus, Germanwatch und Plant-for-the-Planet












