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14. Oktober 2026
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Tamara Cibulkova

CBD COP 17: Was die UN-Biodiversitätskonferenz für den Schutz der Natur bedeutet

Wenn von einer COP die Rede ist, denken die meisten Menschen sofort an die bekannte Weltklimakonferenz. Bei der großen UN-Konferenz kommen Staats- und Regierungschef*innen, Diplomat*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammen. Doch im Oktober findet eine weiterere UN-Konferenz statt, die alle zwei Jahre abgehalten wird und für die Zukunft unseres Planeten ebenso entscheidend ist. Auch sie verdient mehr Aufmerksamkeit. Vom 19. bis 30. Oktober 2026 findet in Jerewan, Armenien, die 17. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt statt – die CBD COP 17. Der Veranstaltungsort ist symbolträchtig: Der Südkaukasus gilt als bedeutender Hotspot der biologischen Vielfalt.

Die CBD COP 17 markiert einen wichtigen Wendepunkt. Erstmals ziehen die Staaten weltweit Bilanz darüber, ob sie auf Kurs sind, bis 2030 mindestens 30 % der Land- und Meeresflächen unseres Planeten zu schützen. Grundlage dafür ist der Globale Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal (KMGBF). Gleichzeitig steht der Cali Fonds

auf dem Prüfstand. Dieser Finanzierungsmechanismus soll sicherstellen, dass Unternehmen, die mit digitalen genetischen Informationen aus der Natur Gewinne erzielen, ihren angemessenen Beitrag zum Naturschutz leisten. Zudem verhandeln die Staaten über ein dauerhaftes Entscheidungsgremium für indigene Völker und lokale Gemeinschaften (IPLCs). Damit soll ihre Rolle als Hüter*innen von mehr als 80 % der weltweit verbliebenen biologischen Vielfalt anerkannt werden. Weitere zentrale Themen sind die Einbindung naturbasierter Lösungen in den Klimaschutz, die Umgestaltung der Ernährungssysteme und der Kampf gegen invasive Arten.

In Jerewan geht es damit um weit mehr als internationale Naturschutzziele: Hier werden wichtige Weichen für die Zukunft unserer natürlichen Lebensgrundlagen gestellt.


Was ist die CBD COP und warum ist sie wichtig?

Während sich die Klimakonferenzen (Climate COPs) mit der Klimakrise, Treibhausgasemissionen und dem globalen Temperaturanstieg befassen, stehen bei den CBD COPs die biologische Vielfalt und das Netzwerk des Lebens im Mittelpunkt, von dem wir alle abhängen. Die Biodiversität bildet die lebendige Grundlage unseres Planeten. Sie ist unser natürliches Sicherheitsnetz: Alle Arten tragen dazu bei, das Klima zu stabilisieren und unsere Wasser- und Ernährungssysteme aufrechtzuerhalten. Geht biologische Vielfalt verloren, verschwinden nicht nur einzelne Arten. Auch die Stabilität ganzer Ökosysteme gerät in Gefahr. Ökosysteme verschlechtern sich nicht immer langsam und vorhersehbar. Ihre Stabilität hängt von komplexen Wechselwirkungen ab. Verschwinden zu viele Arten, kann ein Kipppunkt erreicht werden – und das Gleichgewicht eines Ökosystems bricht zusammen.

Wenn Ökosysteme kollabieren, verlieren wir unseren natürlichen Schutz vor extremen Wetterereignissen, Ernährungsunsicherheit und den Folgen der Klimakrise. Damit wird es noch schwieriger, die Klimakrise zu bewältigen und lebenswichtige Ressourcen zu schützen. Intakte Ökosysteme wie Wälder, Moore und Meere sind deshalb unverzichtbare Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Sie brauchen dringend unseren Schutz. Dafür müssen weltweit ausreichend finanzielle Mittel für den Naturschutz bereitgestellt werden.

Die Ziele von Kunming-Montreal und die fehlenden Milliarden für den Naturschutz

Vor vier Jahren erreichte die internationale Staatengemeinschaft bei der CBD COP 15 einen entscheidenden Meilenstein: Sie verabschiedete den Globalen Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal (KMGBF). Er wird häufig als „Pariser Klimaabkommen für die Natur“ bezeichnet. Mit diesem Rahmenwerk verpflichteten sich die Staaten zu ambitionierten Zielen, um den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 umzukehren. In Jerewan überprüfen die Länder nun erstmals gemeinsam, welche Fortschritte sie seit der Festlegung dieser Ziele erzielt haben. Doch politische Zusagen allein reichen nicht aus. Damit aus Zielen konkrete Maßnahmen werden, braucht es dauerhaft ausreichende finanzielle Mittel. Die Finanzierungslücke im globalen Naturschutz ist nach wie vor enorm. Allein auf öffentliche Haushalte zu setzen, wird voraussichtlich nicht ausreichen, um sie zu schließen.

Wir befinden uns inzwischen ungefähr in der Mitte des Umsetzungszeitraums des KMGBF. Gleichzeitig besteht eine Finanzierungslücke von 700 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt ein grundlegender Konflikt zwischen Industrie- und Entwicklungsländern darüber, wer für den globalen Naturschutz aufkommen soll. Diese Frage – bekannt als Ziel 19 – bleibt eine der größten Hürden. Die Finanzierungslücke von 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr beruht auf einer festgelegten Berechnung des Finanzbedarfs, um den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 aufzuhalten. Grundlage ist die wegweisende Studie „Financing Nature“, die zu dem Ergebnis kam, dass weltweit jährlich rund 844 Milliarden US-Dollar benötigt werden, um Ökosysteme zu schützen.

Zwar gibt es Fortschritte: Die weltweite Finanzierung naturbasierter Lösungen hat inzwischen rund 220 Milliarden US-Dollar erreicht. Dennoch kommen die Verhandlungen bei der CBD COP 17 nur schleppend voran. Umweltschädliche Subventionen wurden nicht schnell genug abgebaut, und neue Finanzierungsmechanismen wie der Cali Fonds kommen bislang nur langsam in Gang.

Warum auch Unternehmen ihren fairen Beitrag leisten müssen

Hier kommt die Privatwirtschaft ins Spiel. Seit Jahrzehnten erzielen Unternehmen aus Branchen wie Pharma, Kosmetik, Agrarwirtschaft und Biotechnologie enorme Umsätze, indem sie auf die biologischen Ressourcen unseres Planeten zurückgreifen. Früher geschah dies vor allem durch die Nutzung physischer Pflanzen und biologischer Proben. Heute werden genetische Informationen zunehmend digital genutzt. Diese sogenannten Digital Sequence Information (DSI) umfassen genetische Baupläne des Lebens, die in frei zugänglichen Datenbanken gespeichert sind. Das Prinzip dahinter ist einfach: Große Unternehmen nutzen genetische Informationen aus biodiversitätsreichen Regionen, entwickeln daraus profitable Produkte und erzielen damit hohe Gewinne. Doch kaum etwas von diesem Wohlstand fließt zurück in den Schutz der empfindlichen Ökosysteme oder unterstützt die indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften (IPLCs), die diese biologische Vielfalt seit Generationen bewahren.

Der Cali Fonds: In Jerewan steht viel auf dem Spiel

Der Cali Fonds wurde 2024 bei der CBD COP 16 in Kolumbien ins Leben gerufen, um dieses strukturelle Ungleichgewicht zu korrigieren. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn ein Unternehmen mit den digitalen genetischen Informationen der Natur Gewinne erzielt, sollte es einen Teil davon zurückgeben, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, aus denen diese Informationen stammen. Doch auf die freiwillige Bereitschaft von Unternehmen zu setzen, hat bislang nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Bis heute hat kein Land verbindliche nationale Gesetze verabschiedet, die Unternehmen zu Zahlungen an den Cali Fonds verpflichten. Ohne klare gesetzliche Vorgaben oder wirksame Anreize können die meisten Unternehmen weiterhin frei zugängliche genetische Daten nutzen, ohne sich an den Kosten für den Schutz und die Wiederherstellung der Natur zu beteiligen. Dadurch bleibt die Finanzierung des Naturschutzes deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Auf dem Cali Watch Legislative Tracker lässt sich verfolgen, welche Länder aktiv werden und wo es noch an Fortschritten fehlt.

Trotz seines Potenzials fällt die bisherige Bilanz des Cali Fonds ernüchternd aus. In den vergangenen zwei Jahren kam der Prozess nur langsam voran. Die UN-Verhandlungen benötigten zu viel Zeit, um grundlegende Fragen zu den Beiträgen zu klären. Das führte zu Unsicherheit bei potenziellen Geldgebern. Gleichzeitig versäumten es nationale Regierungen, unterstützende Gesetze zu verabschieden, die eine Beteiligung von Unternehmen fördern. Viele Unternehmen wiederum konzentrierten sich darauf, administrative Schwächen des Mechanismus zu kritisieren, statt aktiv zu seinem Erfolg beizutragen.

rotz dieser Rückschläge bietet die CBD COP 17 in Jerewan eine wichtige Gelegenheit, diese Probleme anzugehen, klare gesetzliche Grundlagen zu schaffen und den Cali Fonds so aufzustellen, dass er seine Aufgabe erfüllen kann. In unserem Beitrag zum Cali Fonds erfährst du mehr über den Mechanismus und seine Bedeutung für den globalen Naturschutz.

Cali Watch: Politische Zusagen transparent machen

Bei Plant-for-the-Planet wollen wir politische Ankündigungen in überprüfbare Maßnahmen übersetzen. Deshalb haben wir Cali Watch entwickelt – eine Open-Source-Plattform, die für mehr Transparenz bei der Finanzierung des Schutzes der biologischen Vielfalt sorgen soll, insbesondere beim Cali Fonds. Mit Cali Watch verfolgen wir die Zahlungen von Unternehmen, die kommerziell digitale genetische Informationen nutzen. Wir überprüfen, ob Regierungen nationale Gesetze verabschieden, um diese Beiträge verbindlich durchzusetzen, beobachten die internationalen Verhandlungen und veröffentlichen während der CBD COP 17 in Jerewan aktuelle Informationen.

Verfolge unsere Delegation in Armenien

In Jerewan, wird unsere Plant-for-the-Planet-Delegation vor Ort sein und sich dafür einsetzen, dass die Verhandlungsteams klar benennen, welche Wirtschaftssektoren und Unternehmen Beiträge leisten sollen. So sollen Unklarheiten darüber beseitigt werden, wer zur Finanzierung des Naturschutzes verpflichtet ist. Zudem fordern wir die nationalen Regierungen auf, diese Erwartungen in verbindliche Gesetze zu überführen. Nur so lassen sich klare Regeln schaffen und die Einhaltung der Vorgaben sicherstellen. Auch Unternehmen, die digitale genetische Informationen nutzen, müssen Verantwortung übernehmen und jetzt ihren Beitrag leisten. Laufende Diskussionen über administrative Fragen dürfen nicht länger als Vorwand dienen, um Zahlungen aufzuschieben. Wir setzen uns für den Schutz der Natur, echte Rechenschaftspflicht und eine langfristig gesicherte Finanzierung ein.

Wirksamer Naturschutz braucht transparente Finanzierungsstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und eine aktive Zivilgesellschaft. Begleite unser Team während der CBD COP 17 und erfahre aus erster Hand, was in Jerewan geschieht. Bis dahin kannst du die Daten auf caliwatch.org erkunden oder unsere Delegationsseite zur CBD COP 17 besuchen, um mehr über unsere Arbeit zu erfahren.