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13. Oktober 2026
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Der Cali Fonds: Wie Unternehmen zum Schutz der globalen Biodiversität beitragen können

Jeden Tag nutzen wir Produkte, deren Herstellung auf natürlichen Ressourcen beruht – oft, ohne es zu wissen. Hautpflegeprodukte und Kosmetik, Medikamente und sogar unsere Lebensmittel können mit genetischen Ressourcen von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen in Verbindung stehen. Digitale Sequenzinformationen (Digital Sequence Information, kurz DSI) helfen der Wissenschaft und Unternehmen dabei, diese Ressourcen zu erforschen und neue Produkte zu entwickeln.

Doch dabei gibt es ein Problem: Die finanziellen Vorteile aus der Nutzung dieser Informationen werden nicht immer gerecht verteilt. Unternehmen, die mit DSI Gewinne erzielen, haben ihren Sitz häufig im Globalen Norden. Gleichzeitig befindet sich ein großer Teil der weltweiten Biodiversität in Ländern des Globalen Südens. Auch Indigene Völker und lokale Gemeinschaften (Indigenous Peoples and Local Communities, IPLCs) leisten einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt. An den Gewinnen aus ihrer kommerziellen Nutzung werden sie jedoch nicht unbedingt beteiligt.

Ein Fonds für eine gerechtere Verteilung der Vorteile

Der Cali Fonds wurde ins Leben gerufen, um dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Als globaler Finanzierungsmechanismus soll er dazu beitragen, die Vorteile aus der kommerziellen Nutzung von DSI zu genetischen Ressourcen gerechter zu verteilen. Unternehmen sollen sich finanziell beteiligen, um den Schutz der Biodiversität und die Menschen zu unterstützen, die sich für ihren Erhalt einsetzen.

Der Cali Fonds wurde im Oktober und November 2024 auf der 16. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD COP16) in Cali, Kolumbien, von 196 Regierungen vereinbart. Offiziell gestartet wurde er am 25. Februar 2025 in Rom während der wiederaufgenommenen COP16. Seinen Namen verdankt der Fonds der kolumbianischen Stadt Cali, in der die entscheidenden Verhandlungen stattfanden.

Welche Unternehmen sollen in den Cali Fonds einzahlen?

Der Cali Fonds ist ein wichtiger Schritt, um die wirtschaftlichen Vorteile aus der Nutzung genetischer Informationen mit dem Schutz der Biodiversität zu verknüpfen. Der Fonds soll finanzielle Beiträge von Unternehmen mobilisieren, die mit digitalen Sequenzinformationen zu genetischen Ressourcen kommerzielle Vorteile erzielen.

Der Cali Fonds ist der erste globale Biodiversitätsfonds, dessen Finanzierung sich maßgeblich auf Beiträge aus der Privatwirtschaft stützen soll. Nach dem vereinbarten Rahmenwerk sollen große Unternehmen aus Branchen, die direkt oder indirekt wirtschaftlich von DSI profitieren, Beiträge leisten, sofern sie bestimmte finanzielle Schwellenwerte erreichen. Als Richtwerte gelten 1 Prozent des Gewinns oder 0,1 Prozent des Umsatzes. Unternehmen können zwischen diesen beiden Berechnungsgrundlagen wählen.

Diese Sätze sind allerdings Empfehlungen und keine verbindlichen Zahlungspflichten. Die Beiträge sind derzeit freiwillig. Die endgültigen Schwellenwerte und Beitragssätze gehören zu den Fragen, die in den internationalen Verhandlungen noch geklärt werden sollen.

Das Rahmenwerk nennt sieben Branchen, deren Tätigkeiten von DSI profitieren können:

  • Pharmaindustrie: Entwicklung von Medikamenten auf Grundlage von Erkenntnissen über genetische Ressourcen.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Produkten, die gesundheitliche Vorteile bieten sollen.
  • Kosmetikindustrie: Nutzung biologischer Inhaltsstoffe und genetischer Forschung für Hautpflege- und Schönheitsprodukte.
  • Tier- und Pflanzenzucht: Entwicklung neuer Pflanzensorten und Tierrassen.
  • Biotechnologie: Nutzung biologischer Systeme und Organismen zur Entwicklung von Produkten und Technologien.
  • Laborausrüstung: Bereitstellung von Geräten für die genetische Sequenzierung und die DSI-bezogene Forschung.
  • Informations-, Wissenschafts- und technische Dienstleistungen: Bereitstellung von Dienstleistungen rund um DSI, einschließlich bestimmter Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI).

Die Grundidee des Mechanismus ist einfach: Unternehmen, die mit genetischen Informationen Gewinne erzielen, sollen auch dazu beitragen, dass deren Nutzung den Schutz der Biodiversität unterstützt.

Wer profitiert vom Cali Fonds?

IPLCs stehen im Zentrum des Cali Fonds. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz der Biodiversität, zum Erhalt von Ökosystemen und zur Weitergabe traditionellen Wissens. Dennoch waren sie häufig von den finanziellen Vorteilen ausgeschlossen, die aus der Nutzung genetischer Ressourcen entstehen.

Nach dem vereinbarten Rahmenwerk sollen mindestens 50 Prozent der Mittel des Cali Fonds Indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften zugutekommen. Die Förderung soll sich an den Bedürfnissen orientieren, die diese Gemeinschaften selbst benennen – einschließlich der Bedürfnisse von Frauen und jungen Menschen. Die übrigen Mittel sollen andere Prioritäten im Bereich Biodiversität unterstützen.

Wie ist der aktuelle Stand des Cali Fonds?

Trotz seiner ambitionierten Ziele hat der Cali Fonds bislang nur sehr geringe finanzielle Unterstützung von Unternehmen erhalten. Knapp 19 Monate nach seinem Start waren lediglich zwei Zahlungen mit einem Gesamtvolumen von 6.000 US-Dollar bestätigt. Das liegt weit unter den geschätzten Beiträgen, die Unternehmen im Rahmen des Mechanismus leisten könnten.

Ein wesentlicher Grund für die geringen Zahlungseingänge ist, dass die Beiträge derzeit freiwillig sind. Das internationale Rahmenwerk ermutigt Unternehmen zwar zur Zahlung, doch bislang gibt es keine allgemein geltende gesetzliche Verpflichtung, die alle beitragspflichtigen Unternehmen zu Zahlungen verpflichtet.

Cali Watch: Plant-for-the-Planet macht Milliardenlücke sichtbar

Um die ausbleibenden Zahlungen transparent zu machen, startet Plant-for-the-Planet die öffentliche Plattform Cali Watch. Sie erfasst die Beiträge zum Cali Fonds und zeigt, welche Unternehmen einzahlen sollen, wie viel sie bereits gezahlt haben und welche Beträge noch ausstehen. Bislang sind lediglich 6.000 US-Dollar eingegangen. Schätzungsweise 6,9 Milliarden US-Dollar an Beiträgen stehen noch aus. Cali Watch macht diese Finanzierungslücke sichtbar und trägt dazu bei, Unternehmen für ihre Rolle bei der Finanzierung des Biodiversitätsschutzes zur Verantwortung zu ziehen.

Doch die fehlenden Zahlungen sind nicht allein eine Frage der unternehmerischen Verantwortung. Bislang hat kein Land ein Gesetz verabschiedet, das Unternehmen zu Beiträgen an den Cali Fonds verpflichtet Das internationale Abkommen fordert Regierungen dazu auf, administrative, politische oder gesetzgeberische Maßnahmen zu ergreifen, um Zahlungen zu fördern oder verbindlich vorzuschreiben. Deshalb umfasst Cali Watch auch einen Gesetzgebungs-Tracker, der nationale Bestrebungen zur Einführung solcher Maßnahmen dokumentiert. Indem die Plattform Informationen zu Unternehmensbeiträgen und politischen Maßnahmen zusammenführt, soll sie für mehr Transparenz sorgen. Gleichzeitig unterstützt sie die Bemühungen, das Versprechen des Cali Fonds in konkrete Finanzmittel für den Schutz der Biodiversität und für die Indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften umzusetzen, die sie bewahren.

Wie geht es mit dem Cali Fonds weiter? COP17 und die nächsten Schritte

Der nächste wichtige Meilenstein ist die CBD COP17. Sie findet vom 19. bis 30. Oktober 2026 in Jerewan, Armenien, statt. Die Regierungen werden voraussichtlich zentrale offene Fragen zur Funktionsweise des Cali Fonds und zur Mobilisierung zusätzlicher Finanzmittel diskutieren. Eine entscheidende Frage ist, ob die Beiträge weiterhin freiwillig bleiben oder ob Regierungen nationale Maßnahmen einführen, um Zahlungen zu fördern oder verbindlich vorzuschreiben.

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