
Bereits 1912 wurde öffentlich darüber berichtet, dass die zunehmende Verbrennung fossiler Brennstoffe den Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre verändern kann – seit mehr als einem Jahrhundert wird also zu den Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung geforscht. Mit der Gründung des IPCC, dem UN-Weltklimarat, entstand zudem ein globales wissenschaftliches Netzwerk, in dem tausende Wissenschaftler*innen regelmäßig den aktuellen Forschungsstand zusammentragen und bewerten.
Trotz dieser jahrzehntelangen Forschung wird die Klimakrise bis heute infrage gestellt, geleugnet oder verharmlost. Gerade in sozialen Medien reicht das Spektrum von wilden Beschimpfungen bis zu Aussagen wie: „Kann schon sein, dass es etwas wärmer wird, aber wir müssen uns eben ein bisschen anpassen …“
Die Leugnung und Verharmlosung der Klimakrise sind dabei keineswegs neue Phänomene. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren, als wissenschaftliche Warnungen vor den Folgen steigender Treibhausgasemissionen immer deutlicher wurden, begannen Akteure aus der fossilen Industrie, Thinktanks und Öffentlichkeitsarbeit gezielt zu nutzen, um Zweifel an den Ursachen und später auch an der Dringlichkeit der Klimakrise zu säen.
Ein Beispiel dafür ist das Heartland Institute, ein US-amerikanischer Thinktank, der seit Jahren wissenschaftliche Erkenntnisse zur menschengemachten Klimakrise öffentlich infrage stellt. Das Institut organisiert unter anderem Konferenzen, auf denen klimaskeptische Akteure zusammenkommen. Dabei geht es nicht nur darum, einzelne wissenschaftliche Erkenntnisse zu bestreiten. Es entsteht vielmehr ein Netzwerk aus Organisationen, politischen Akteuren und Medien, das bestimmte Argumentationsmuster immer wieder aufgreift und in die öffentliche Debatte trägt.
Wie solche Netzwerke heute funktionieren, lässt sich auch in Europa beobachten. 2024 wurde in Großbritannien ein europäischer Ableger des Heartland Institute gegründet. Recherchen von Correctiv zeigen, dass sich dort verschiedene Akteure vernetzen, die die Klimakrise infrage stellen oder Maßnahmen zum Klimaschutz ablehnen.
Eigene Sprache gegen Klimaschutz
Auch die Sprache der Klimawandelleugnung hat sich verändert. Ein Gutachten der Freien Universität Berlin zeigt, dass heute nicht mehr nur die Existenz des Klimawandels bestritten wird: In rund 11.000 Onlineartikel und 18.000 Social-Media-Posts aus AfD-nahen und rechtspopulistischen Netzwerken fanden die Forschenden zahlreiche Begriffe, die in diesen Netzwerken besonders häufig verwendet werden, in klassischen Medien jedoch kaum vorkommen. Begriffe wie „Klimakult“, „Klimasekte“, „Klimafanatiker“, „Klima-Ideologie“ oder „Öko-Diktatur“ greifen dabei weniger die wissenschaftlichen Erkenntnisse selbst an, sondern stellen Klimaschutz als ideologisch, religiös oder autoritär dar. Die Debatte verschiebt sich damit von der wissenschaftlichen Frage nach Ursachen und Folgen der Klimakrise hin zu Angriffen auf Klimaschutz und die Menschen, die sich dafür einsetzen.
Auch unter Beiträgen von Plant-for-the-Planet, mit denen wir über die Auswirkungen der Klimakrise und mögliche Lösungen, insbesondere im Bereich des natürlichen Klimaschutzes, informieren wollen, finden sich immer wieder Kommentare aus dem Spektrum der Klimaleugnung. Grund genug für uns, diese Behauptungen mal unter die Lupe zu nehmen.
Mythos 1: Der Klimawandel ist ein natürlicher Zyklus


Fakt: Das Klima hat sich schon immer verändert – aber die aktuelle Erwärmung ist eindeutig menschengemacht.
Es stimmt: Das Klima der Erde war nie konstant. In der Vergangenheit gab es Eiszeiten, Warmzeiten und natürliche Schwankungen. Auch einzelne besonders heiße oder kalte Jahre sind kein Beweis für den Klimawandel.
Der entscheidende Unterschied ist jedoch das Ausmaß und die Geschwindigkeit der heutigen Erwärmung. Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) kommt zu einem eindeutigen Schluss: Der Mensch hat die Atmosphäre, die Ozeane und die Landflächen seit vorindustrieller Zeit erwärmt. Die globale Erwärmung von etwa 1,1 °C zwischen 1850–1900 und 2011–2020 ist nahezu vollständig auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Der Beitrag der natürlichen Klimavariabilität zur langfristigen Erwärmung liegt dagegen nur bei etwa −0,23 bis +0,23 °C. Klimaforschende können natürliche von menschengemachten Ursachen u.a. durch sogenannte “fingerprints” unterscheiden – charakteristische Muster, die unterschiedliche Ursachen im Klimasystem hinterlassen.
Fingerabdrücke sind der Beweis
Ein Beispiel: Stell dir vor, du kommst in einen Raum und bemerkst, dass es ungewöhnlich warm ist. Du weißt aber nicht, warum.
Mögliche Ursachen:
- Die Heizung läuft.
- Die Sonne scheint durch das Fenster.
- Jemand hat den Ofen angeschaltet.
- Viele Menschen sind im Raum.
Jede Ursache würde den Raum etwas anders erwärmen. Wenn du beispielsweise feststellst, dass nur bestimmte Bereiche besonders warm sind, kannst du daraus Rückschlüsse auf die Ursache ziehen.
In der Klimaforschung funktioniert das ähnlich, nur wesentlich komplexer. Wissenschaftler*innen untersuchen beispielsweise Temperaturentwicklungen in der Atmo- und Stratosphäre, Erwärmung der Ozeane und Veränderung von Temperatur und Niederschlägen in den Jahreszeiten.
Auch natürliche Faktoren haben ihren eigenen Fingerabdruck. Vulkanausbrüche können zum Beispiel zu einer vorübergehenden globalen Abkühlung sorgen, da die Aerosole in der Atmosphäre das Sonnenlicht reflektieren.
Deshalb steht fest: Natürliche Faktoren allein können die beobachtete Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte nicht erklären.
Vor allem die Verbrennung fossiler Energieträger erhöht die Konzentration von Treibhausgasen wie CO₂ in der Atmosphäre. Dass dieser Anstieg auf menschliche Aktivitäten zurückgeht, lässt sich unter anderem anhand der chemischen Zusammensetzung des Kohlenstoffs in der Atmosphäre nachweisen.
TL;DR: Ja, es gibt natürliche Schwankungen im Klima. Sie erklären aber nicht die aktuelle langfristige Erwärmung. Wir verändern das Klima zusätzlich – und zwar in einer Geschwindigkeit, die mit natürlichen Schwankungen nicht erklärbar ist.
Quellen:
- IPCC, Sixth Assessment Report, Working Group I, Chapter 3 – Human Influence on the Climate System
- IPCC, AR6 WGI Chapter 1 – Framing, Context and Methods
- Royal Society – The Basics of Climate Change
- The Conversation – Climate Fingerprints mark human activity from the top of the atmosphere to the bottom of the ocean
- Berkeleyearth – Global Temperature Report 2024
- NASA – Evidence for climate change
Mythos 2: Was bringt es, wenn Deutschland Klimaschutz betreibt, während die Hauptverursacher der Klimakrise einfach weitermachen?


Fakt: Deutschlands Anteil an den weltweiten CO₂-Emissionen beträgt gerade mal 1,48%. Selbst wenn man die Emissionen seit dem 18. Jahrhundert addiert, kommt Deutschland gerade mal auf rund 5%. Ist Klimaschutz in Deutschland deshalb wirkungslos, weil alle anderen ja trotzdem weitermachen?
Die Klimakrise kennt keine Landesgrenzen. Selbst wenn Deutschland seine Emissionen auf null reduzieren würde, während der Rest der Welt weitermacht, wäre die Klimakrise nicht gelöst. Aber das bedeutet nicht, dass deutsche Klimaschutzmaßnahmen wirkungslos sind.
Denn als drittgrößte Volkswirtschaft weltweit hat Deutschland eine Art Vorreiter-Rolle. Technologische Entwicklungen, politische Entscheidungen und Investitionen in einem Land können auch anderswo Veränderungen anstoßen. Deutschland hat beispielsweise gezeigt, dass ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem möglich ist. 2024 kamen rund 54 % des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien.
Zwar ist China aktuell tatsächlich der weltweit größte CO₂-Emittent und verursachte 2024 rund 31,8 % der weltweiten CO₂-Emissionen. Aber im Pro-Kopf-Vergleich steht Deutschland nicht weit hinter China und noch deutlich vor Indien:
China: 8,66 t
Deutschland: 6,77 t
Indien: 2,20 t
(territoriale* CO₂-Emissionen pro Kopf 2024)
Dazu kommt, dass ein Teil der chinesischen Emissionen auf deutschen Konsum zurückzuführen sind. In China werden Waren produziert, die in anderen Ländern konsumiert werden. Deshalb unterscheiden Wissenschaftler*innen zwischen territorialen und konsumbezogenen Emissionen
Konsumbezogene Emissionen verändern das Bild
Wenn man sich die konsumbezogenen Pro-Kopf-Emissionen ansieht, ist das Bild ein ganz anderes:
Deutschland: ~9,1 t
China: ~7,6 t
Indien: ~1,8 t
(konsumbezogene* CO₂-Emissionen pro Kopf 2024)
Außerdem investieren sowohl China als auch Indien massiv in erneuerbare Energien.
Was aber noch wichtiger ist: Klimaschutz ist längst ein internationales Projekt. Die EU beschreibt Klimawandel ausdrücklich als globale Herausforderung und arbeitet deshalb über UNFCCC, COPs und bilaterale Abkommen an internationaler Zusammenarbeit.
Auch Deutschland hat dabei eine Verantwortung, die über die eigenen Emissionen hinausgeht: als wohlhabendes Industrieland, als historisch großer Emittent und als Standort für Technologien und politische Entscheidungen, die internationale Entwicklungen beeinflussen können. In Deutschland sind wir bereits auf einem guten Weg: Seit 1980 haben sich die (territorialen) CO₂-Emissionen knapp halbiert (von 1,1 Mrd auf 572 Mio Tonnen).
TL;DR: Deutschland kann die Klimakrise nicht allein lösen. Aber auch Deutschland hat seinen Beitrag zu leisten, genau wie China, Indien und alle anderen.
* Konsumbezogen = Die Emissionen werden dem Land zugerechnet, in dem die Güter und Dienstleistungen konsumiert werden.
* Territorial = Die Emissionen werden dem Land zugerechnet, in dem die Güter und Dienstleistungen produziert werden.
Quellen:
- Our World in Data – CO₂ and Greenhouse Gas Emissions China
- Our World in Data – CO₂ and Greenhouse Gas Emissions Germany
- European Commission – Global Climate Action
- Umweltbundesamt – Mehr Strom aus erneuerbaren Energien
- Umweltbundesamt – Wie hoch sind die Treibhausgasemissionen pro Person in Deutschland?
Mythos 3: In Deutschland werden Wälder für Windräder gerodet

Fakt: Für Windenergieanlagen werden teilweise auch Waldflächen in Anspruch genommen. Aber die Dimension wird häufig stark übertrieben – und nicht jede Fläche, die während des Baus gerodet wird, bleibt dauerhaft frei.
Ja, Windenergieanlagen werden tatsächlich auch auf Waldflächen gebaut. Dabei können Bäume gefällt und Flächen dauerhaft oder vorübergehend in Anspruch genommen werden. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass Windenergieanlagen Eingriffe in Natur und Landschaft darstellen und dass insbesondere bei Standorten im Wald sorgfältig auf den Naturschutz geachtet werden muss.
Wichtig ist auch die Größenordnung: Nach aktuellen Daten der Fachagentur Wind und Solar standen Ende 2024 2.533 Windenergieanlagen in deutschen Wäldern. Die dauerhaft beanspruchte Waldfläche lag durchschnittlich bei rund 0,51 Hektar pro Anlage, insgesamt also bei etwa 1.292 Hektar. Deutschland verfügt über rund 11,4 Millionen Hektar Wald. Die für Windenergie dauerhaft beanspruchte Fläche entspricht damit nur einem Bruchteil der deutschen Waldfläche.
Standortprüfung ist wichtig
Dabei wird zwischen dauerhafter und vorübergehender Flächeninanspruchnahme unterschieden. Flächen, die beispielsweise nur für die Bauphase benötigt werden, können anschließend wieder begrünt bzw. bewaldet werden. Bereits frühere Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigten: Von durchschnittlich rund 0,5 Hektar pro Anlage entfielen etwa 0,05 Hektar auf die Versiegelung durch das Fundament; weitere Flächen werden beispielsweise für Bau und Montage benötigt und können anschließend wiederhergestellt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass es potenziell keine Naturschutzkonflikte geben könnte. Wälder sind wichtige Lebensräume und Kohlenstoffspeicher. Deshalb werden viele Windkraftanlagen auf forstwirtschaftlich genutzten oder vorgeschädigten Flächen erstellt – wo der tatsächliche Schaden sich stark in Grenzen hält.
Gleichzeitig muss man die Klimawirkung betrachten: Windenergie ersetzt fossile Stromerzeugung und trägt damit zur Emissionsminderung bei. 2024 erzeugten Windenergieanlagen in Deutschland rund 141 TWh Strom. Insgesamt vermieden erneuerbare Energien unter Berücksichtigung der Vorketten im selben Jahr rund 259 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente.
TL;DR: Ja, für manche Windräder werden Waldflächen gerodet. Aber die Behauptung vermittelt ein falsches Bild von den Größenordnungen. Entscheidend ist, wo Windräder gebaut werden, wie groß der tatsächliche Eingriff ist und wie er ausgeglichen bzw. minimiert wird.
Quellen:
- Fachagentur Wind und Solar, Entwicklung der Windenergienutzung auf Forstflächen – 10. Auflage, 2025
- Umweltbundesamt, Windenergie an Land
- Bundesumweltministerium, Naturschutz und Windenergie
- Umweltbundesamt, Erneuerbare Energien in Deutschland 2024
- Statkraft – Windenergie im Wald: Sind Windkraftanlagen in Waldgebieten wirklich sinnvoll?
Mythos 4: Klimaschutz ist nutzlos, denn die Klimakrise ist da und wir können es nicht ändern.

Fakt: Ja, die Klimakrise ist bereits da – und eine Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze gilt inzwischen als sehr wahrscheinlich. Aber das heißt nicht, dass Klimaschutz nichts mehr bringt. Im Gegenteil: Jetzt zählt jedes Zehntelgrad weniger!
2024 war erstmals ein Kalenderjahr mehr als 1,5 °C wärmer als das vorindustrielle Niveau. Ein einzelnes Jahr bedeutet allerdings noch nicht, dass die langfristige 1,5-Grad-Grenze des Pariser Abkommens dauerhaft überschritten ist. Nach Einschätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ist eine Überschreitung der 1,5-Grad-Marke über mehrere Jahrzehnte unter den derzeitigen politischen Maßnahmen und kurzfristigen Entwicklungspfaden inzwischen kaum noch zu vermeiden.
Aber es ist ein großer Unterschied, ob die Erde sich um 1,6 °C oder 3,5°C erwärmt. Genau deshalb kommt es auf jede vermiedene Emission an. Je niedriger die maximale Erwärmung ausfällt, desto geringer sind die Risiken für Menschen, Ökosysteme und Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinkt das Risiko, irreversible Kipppunkte zu überschreiten und Anpassungsgrenzen zu erreichen.
Jedes Zehntelgrad zählt
Die UNEP betont ausdrücklich: Das Überschreiten von 1,5°C ist kein Grund für Resignation, sondern ein Grund für noch mehr Dringlichkeit beim Klimaschutz. Dafür sind schnelle und anhaltende Emissionsminderungen entscheidend.
Die bisherigen Entwicklungen zeigen, dass Veränderung möglich ist. Laut UNEP lagen die langfristigen Erwärmungsprojektionen nach dem Pariser Abkommen zunächst bei etwa 3–3,5 °C; heute liegen sie – bei vollständiger Umsetzung der derzeitigen Klimazusagen und -maßnahmen – deutlich niedriger. Gleichzeitig stehen Technologien für große Emissionsminderungen zur Verfügung, wie beispielsweise Wind- und Solarenergie.
TL;DR: Klimaschutz kann sehr wohl noch etwas verändern! Zwar ist die Klimakrise da – aber unsere Handlungen definieren, wie stark sie tatsächlich ausfällt. Jedes Zehntelgrad weniger bedeutet weniger Schäden, geringere Risiken und mehr Handlungsspielraum für Menschen und Natur.
Quellen:
- UNEP – Limiting Overshoot – Navigating exceedance of 1.5°C and pathways towards return
- UNEP, Overshoot explained: 5 things to understand about a world beyond 1.5°C (2026)
- UNEP, Emissions Gap Report 2025
Mythos 5: Erneuerbare Energien sind an der Erderwärmung schuld.

Fakt: Erneuerbare Energien haben Umweltwirkungen – aber sie sind nicht die Ursache der Erderwärmung. Über ihren gesamten Lebenszyklus verursachen Wind- und Solarenergie deutlich weniger Treibhausgasemissionen als fossile Energieträger.
Natürlich sind Windräder und Solaranlagen nicht völlig ohne Auswirkungen auf die Umwelt. Für ihren Bau werden Rohstoffe benötigt, Flächen in Anspruch genommen und teilweise Ökosysteme verändert. Auch der Abbau und die Verarbeitung von Materialien wie Stahl, Beton, Kupfer oder bestimmten mineralischen Rohstoffen verursachen Emissionen. Deshalb kommt es darauf an, wo Anlagen gebaut werden, welche Rohstoffe verwendet werden und wie Produktion, Betrieb, Recycling und Rückbau gestaltet sind.
Das ändert aber nichts an einem entscheidenden Punkt: Bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne wird kein fossiler Brennstoff verbrannt. Die Emissionen, die bei Herstellung, Transport, Bau, Wartung und Rückbau entstehen, fallen vor allem vor bzw. außerhalb des eigentlichen Betriebs an. Über den gesamten Lebenszyklus sind sie laut Weltklimarat (IPCC) erheblich niedriger als bei Kohle, Öl und Gas. Für Windenergie kommt der IPCC zu dem Ergebnis, dass die meisten Windenergietechnologien ihre mit dem Bau verbundenen CO₂-Emissionen innerhalb kurzer Zeit durch vermiedene Emissionen aus fossiler Stromerzeugung ausgleichen; für die von ihm untersuchten Windtechnologien werden Amortisationszeiten von weniger als einem Jahr angegeben.
Erneuerbare Energien stoßen weniger CO₂ aus
Auch bei Solarenergie ist der Vergleich eindeutig: Die Herstellung von Solarmodulen verursacht zwar Treibhausgasemissionen, während ihres Betriebs entstehen jedoch keine direkten CO₂-Emissionen. Über ihren gesamten Lebenszyklus liegen die Emissionen ebenfalls deutlich unter denen fossiler Stromerzeugung. Der IPCC bewertet sowohl Wind- als auch Solarenergie deshalb als Technologien mit einem sehr niedrigen Treibhausgas-Fußabdruck.
Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied: Umweltwirkung ist nicht dasselbe wie Klimawirkung. Eine Windkraftanlage kann beispielsweise Auswirkungen auf Vögel oder Fledermäuse haben. Ein Solarkraftwerk kann Fläche beanspruchen. Beides sind reale Zielkonflikte, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Sie machen erneuerbare Energien aber nicht zu einer Ursache der globalen Erwärmung.
Die Ursache der heutigen Erderwärmung liegt vor allem in der massiven Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre, insbesondere durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Der IPCC kommt zu dem Schluss, dass menschliche Aktivitäten eindeutig die globale Erwärmung verursacht haben. Erneuerbare Energien gehören dagegen zu den zentralen Technologien, um diese Emissionen zu reduzieren. (IPCC, AR6 WGIII)
TL;DR: Ja, Wind- und Solarenergie haben Umweltwirkungen – wie praktisch jede Form der Energiegewinnung. Aber über ihren gesamten Lebenszyklus verursachen sie deutlich weniger Treibhausgasemissionen als fossile Energien und sind deshalb Teil der Lösung der Klimakrise, nicht ihre Ursache.
Quellen:
- IPCC, Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change, Kapitel 6: Energy Systems
- IPCC, Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change
- IPCC, Climate Change 2021: The Physical Science Basis
- UNEP, Emissions Gap Report
Wie man sieht, haben die meisten Behauptungen, die die Klimakrise leugnen oder verharmlosen, einen wahren Kern – und das macht es so schwierig, ihnen etwas zu entgegnen. Denn wenn die Antwort “ja, aber” mitsamt einer komplexen Erklärung lautet, kommt man kaum gegen die knackige Message der Klimaleugner an. Doch wir überlassen gezielter Desinformation nicht das Feld. Wenn du Lust auf faktenbasierte und wissenschaftlich fundierte Informationen zur Klimakrise hast, dann folge uns auf Instagram.












