
Habt ihr schon einmal eure Heimatstadt oder euer Elternhaus besucht und festgestellt, wie sehr sich alles verändert hat? Der Garten wirkt kleiner als in der Erinnerung, die Farben des Hauses weniger lebendig und überall stehen neue Dinge, die man kaum wiedererkennt. In Mombo, Tansania, waren diese Veränderungen für Pauline besonders spürbar. Nachdem er für sein Studium weggezogen war, kehrte er zurück und bemerkte, dass die Farben des Waldes grauer geworden waren und das Leben schwieriger wirkte. Für Pauline waren diese Veränderungen ein Warnsignal – und der Anstoß, genauer hinzusehen.
„Früher habe ich viele Vögel und Tiere gesehen“, erinnert sich Pauline, Leiter der Renaturierungsorganisation „Social Community Forum“ in Tansania. „Außerdem gab es Wasserquellen, die direkt aus dem Wald flossen.“

Der Biodiversitätsverlust in Mombo
Doch mit den zunehmenden Auswirkungen der Klimakrise, veränderten Wetterbedingungen und der Belastung lokaler Ökosysteme verändert sich die Situation in Mombo rasant. Die bergige Durchgangsstadt zieht eigentlich viele Tourist*innen durch ihre beeindruckende Tierwelt und Natur an.
Für Pauline sind diese Veränderungen nicht einfach natürliche Entwicklungen im Laufe der Zeit. Sie zeigen vielmehr die massive Übernutzung der Wälder in der Region, Überweidung und die Störung des natürlichen Gleichgewichts durch die globale Erwärmung.
Schon kleinere Veränderungen – etwa dass bestimmte Affenarten immer seltener im Wald vorkommen – weisen auf größere Bedrohungen für Natur und Menschen hin. Intakte Wälder mit hoher Biodiversität regulieren den Wasserfluss und speichern Wasser. Geht Biodiversität verloren, werden Wasserkreisläufe unregelmäßig und unvorhersehbar. Der Alltag wird schwieriger und bestehende Ungleichheiten verschärfen sich.
Herausforderungen durch die Klimakrise: Wasserknappheit
„Frauen leiden besonders unter der Wasserknappheit“, erzählt Pauline.
In vielen Haushalten in Tansania sind Frauen und Mädchen für das Wasserholen verantwortlich. Wenn Wasser knapp wird, legen Frauen oft bis zu neun Kilometer zurück, um eine Wasserquelle zu erreichen, und verbringen viele Stunden mit dieser körperlich anstrengenden Arbeit.


„Meine schönste Erinnerung ist, wie ich 2004 mit meinem Großvater und meinen Onkeln den Wald besucht habe und wir gespürt haben, wie frisch alles war“, erinnert sich Pauline. „Es gab ausreichend Wasser und überall waren Vögel – Nektarvögel, Macho-Vögel, Adler …“
Auch 2018 empfand Pauline den Wald noch als “lebendig”, und Wasser war deutlich besser verfügbar als heute.
Doch inzwischen sieht die Situation völlig anders aus.
Die Klimakrise hat zusammen mit großflächiger Abholzung und Überweidung den Wald geschädigt und seine Fähigkeit geschwächt, Wasser natürlich zu speichern. Feuer, die in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen entstehen, breiten sich häufig auf bereits gefährdete Waldgebiete aus und zerstören große Flächen. Während die Biodiversität verschwindet und der Wald sein natürliches Gleichgewicht verliert, werden lokale Lebensgrundlagen immer fragiler. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von genau den Waldressourcen, die zu seiner Zerstörung beitragen.
„Früher gab es etwa fünf bis zehn natürliche Wasserquellen, die aus dem Wald flossen“, erklärt Pauline. „Durch die Zerstörung hat sich der Wasserfluss stark verringert.“
Für viele Familien bleiben Wälder dennoch lebenswichtig – als Quelle für Brennholz, Bauholz und das tägliche Überleben. Pauline erkannte jedoch, dass Renaturierung allein nicht ausreichen würde, wenn keine alternativen Einkommens- und Nahrungsquellen geschaffen werden.
Renaturierung und Klimabildung: Gemeinschaften in Tansania stärken
Deshalb verbindet seine Organisation heute Renaturierung mit Agroforstwirtschaft, Klimabildung und Gemeinschaftsprogrammen. Neben der Wiederherstellung heimischer Baumarten pflanzen die Gemeinschaften Obstbäume wie Mangos, Avocados und Orangen, die sowohl Nahrung als auch Einkommen schaffen. Zusätzlich werden an Schulen Gemüsegärten angelegt, um den Zugang zu Lebensmitteln zu verbessern.
„Wir versuchen, die lokale Wirtschaft zu stärken, damit die Gemeinschaften weniger abhängig von den natürlichen Ressourcen des Waldes sind“, sagt Pauline.
Die Organisation konzentriert sich auf die Pflanzung heimischer Arten wie Albizia gummifera, Albizia schimperiana und Fabris nobilis – Bäume, die historisch im Mombo-Wald vorkamen und eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung von Wasserkreisläufen und Biodiversität spielen.
„Wenn wir heimische Arten pflanzen, fühlt sich das unglaublich gut an“, erklärt Pauline. „Ich bin in diesem Wald aufgewachsen. Ich kenne ihn noch aus den guten Zeiten.“
Die Arbeit basiert stark auf der Beteiligung der lokalen Gemeinschaften. Paulines Organisation arbeitet eng mit Schulen, lokalen Behörden, Jugendgruppen und Frauengruppen zusammen. Schüler*innen nehmen an Pflanzaktionen und Umweltbildungsprogrammen teil, während Frauen Baumschulen betreuen und Pflanzaktivitäten über eine spezielle Frauengruppe namens Umoja Group organisieren.
„Frauen sind die ersten Lehrenden“, sagt Pauline. „Sie geben Wissen weiter, noch bevor Kinder überhaupt zur Schule gehen.“
Für Pauline ist es ebenso wichtig, junge Menschen einzubeziehen, denn sie werden die Zukunft des Waldes gestalten. „Diese Jungen und Mädchen sind die Zukunft des Mombo-Waldes“, erklärt er.



Erste Erfolge der Renaturierung im Mombo-Wald
Auch wenn die Renaturierung in Mombo noch andauert, erkennt Pauline bereits erste Zeichen der ökologischen Erholung. Vogelarten wie Nektarvögel und Adler, die immer seltener geworden waren, kehren langsam in Gebiete zurück, in denen heimische Arten wiederhergestellt wurden.
„Früher gab es viele Vögel“, erzählt Pauline. „Doch mit der Zeit wurden es aufgrund der Abholzung immer weniger.“
Jetzt, sagt er, kehren einige dieser Arten langsam zurück, weil Teile des Waldes wieder bewohnbar werden.
„Wenn ich die Setzlinge wachsen sehe, sehe ich Leben“, sagt Pauline. „Ich sehe das Leben der lokalen Gemeinschaften. Ich sehe das Leben der Kinder in den Schulen, die unter Wasserknappheit leiden.“
Für Pauline bedeutet Renaturierung, Erinnerungen zu bewahren, die Beziehung zwischen Mensch und Natur wieder aufzubauen und sicherzustellen, dass zukünftige Generationen in Mombo einen Wald erben, der lebendig bleibt.
„Wenn der Wald sprechen könnte“, sagt Pauline, „würde er nur über das Leben sprechen.“
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Ein besonderer Dank geht an Pauline für die wertvollen Einblicke und das inspirierende Interview!
Quelle: Foulquier, A., Datry, T., Corti, R. et al. Unravelling large-scale patterns and drivers of biodiversity in dry rivers. Nat Commun 15, 7233 (2024). https://doi.org/10.1038/s41467-024-50873-1












