Featured image for “SB 64 in Bonn: die wichtigsten Ergebnisse”
18. Juni 2026
Image
Frieda Binnig

SB 64 in Bonn: die wichtigsten Ergebnisse

Klimafinanzierung, Jugendbeteiligung und Waldschutz im Fokus der Bonner Klimaverhandlungen

Vom 8. bis 18. Juni trafen sich in Bonn Delegierte aus aller Welt zu den 64. Sitzungen der Nebenorgane der UN-Klimarahmenkonvention (SB 64). Die Bonner Klimaverhandlungen gelten als wichtigstes Vorbereitungstreffen für die nächste Weltklimakonferenz COP 31 in Antalya. Hier werden zentrale Fragen der internationalen Klimapolitik diskutiert und die Grundlagen für Entscheidungen auf der COP gelegt.

Für Plant-for-the-Planet waren Fatou Jeng, Jule Schnakenberg und Kathrin Henneberger vor Ort. Neben zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen stand besonders eine Frage im Mittelpunkt: Wie können Klimaschutzmaßnahmen nicht nur ambitioniert, sondern auch gerecht umgesetzt werden?

Jugendbeteiligung in der Klimapolitik: Junge Menschen als Mitgestalter*innen

Ein besonderes Highlight war unser Side Event zur Rolle junger Menschen in der Klimapolitik, das wir gemeinsam mit Partnerorganisationen UNFPA, ChildFund Alliance, Oxfam Pilipinas und der Youth Taskforce der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen organisiert haben.

Die Diskussion machte deutlich, dass junge Menschen nicht nur gehört, sondern aktiv in klimapolitische Entscheidungen eingebunden werden müssen. Fatou Jeng eröffnete die Veranstaltung mit einem Impuls zu echtem intergenerationellem Dialog. Vertreter*innen verschiedener Organisationen stellten erfolgreiche Ansätze vor, mit denen junge Menschen zu Gestalter*innen von Klimaschutz und Klimagerechtigkeit werden – von der Förderung junger Frauen und Mädchen bis hin zum Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für Jugendprojekte.

Zum Abschluss betonte Jule Schnakenberg, dass junge Menschen nicht nur Räume für kreative und mutige Ideen brauchen, sondern auch die finanziellen Mittel, um diese umzusetzen. Die Veranstaltung zeigte: Eine echte und wirksame Beteiligung junger Menschen ist eine Voraussetzung für effiziente und gerechte Klimapolitik.

Action for Climate Empowerment (ACE): Klimabildung als Grundlage für Klimaschutz

Auch das Thema Action for Climate Empowerment (ACE) spielte bei den Bonner Klimaverhandlungen eine wichtige Rolle. ACE umfasst die Bereiche Klimabildung, Zugang zu Informationen, öffentliche Beteiligung, Weiterbildung und internationale Zusammenarbeit – und schafft damit die Grundlage dafür, dass Menschen aktiv zum Klimaschutz beitragen können.

Im Rahmen des aktuellen ACE-Aktionsplans wurden Fortschritte bei der stärkeren Einbindung von Kindern und Jugendlichen erzielt. Dazu gehören die Sammlung bewährter Bildungsansätze sowie die Entwicklung von Leitlinien für die Beteiligung junger Menschen an Klimaschutzmaßnahmen. Während der Verhandlungen wurde zudem diskutiert, wie Bildungseinrichtungen widerstandsfähiger werden können und wie die Zusammenarbeit innerhalb der UN-Klimarahmenkonvention gestärkt werden kann.

Die Debatten machten deutlich: Klimabildung ist kein Nebenthema. Ohne Wissen, Zugang zu Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten können Menschen weder wirksam handeln noch politische Prozesse aktiv mitgestalten.

“Ohne Bildung gibt es keine Beteiligung. Ohne Informationen kein Handeln. Ohne Mitbestimmung fehlt politischen Entscheidungen die Legitimation. Ohne Weiterbildung kommt die Umsetzung ins Stocken. Und ohne Zusammenarbeit bleiben Fortschritte begrenzt.

Die Gute Schokolade durfte natürlich nicht fehlen, hier bei der Pressekonferenz

Gerechter Wandel: Der Belém–Antalya Mechanism

Ein weiteres wichtiges Thema der SB 64 war der sogenannte Belém–Antalya Mechanism (BAM). Zivilgesellschaftliche Organisationen sehen darin einen wichtigen Schritt hin zu einer gerechten Transformation – einer sogenannten Just Transition.

Ziel des Mechanismus ist es, bisher oft unverbindliche Zusagen für sozial gerechte Klimapolitik in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Arbeitnehmer*innen, lokale Gemeinschaften und besonders von der Klimakrise betroffene Bevölkerungsgruppen sollen beim Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft nicht benachteiligt werden.

Der Mechanismus soll nationale Umsetzungspläne unterstützen, den Austausch erfolgreicher Ansätze fördern und den Zugang zu Finanzierung verbessern. In Bonn wurde ein erster Verhandlungstext vorgelegt, der nun als Grundlage für die weiteren Verhandlungen auf der COP 31 dient.

Klimafinanzierung bleibt zentraler Streitpunkt

Die Klimafinanzierung gehörte zu den wichtigsten und zugleich umstrittensten Themen der Bonner Klimaverhandlungen. Viele Entwicklungsländer und zivilgesellschaftliche Organisationen äußerten weiterhin Zweifel daran, ob Industrieländer ihren Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen ausreichend nachkommen.

Diskutiert wurden unter anderem die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an die Klimakrise, die langfristige Ausstattung des Anpassungsfonds, die Unterstützung der am wenigsten entwickelten Länder sowie die Finanzierung von Verlusten und Schäden infolge der Klimakrise.

Vertrauen bleibt dabei ein entscheidender Faktor. Ohne glaubwürdige Zusagen für die Zeit nach 2025 wird es schwierig sein, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und die Umsetzung des neuen globalen Klimafinanzierungsziels voranzubringen. Viele Beobachter*innen sehen daher konkrete Finanzzusagen als Voraussetzung für den Erfolg der COP 31.

Waldschutz und Entwaldung: Die Climate and Forest Roadmap

Auch Waldschutz und Entwaldung standen bei den SB 64 auf der Agenda: im Fokus die sogenannte Climate and Forest Roadmap, die von der brasilianischen COP-Präsidentschaft vorangetrieben wird. Sie soll dazu beitragen, das globale Ziel zu erreichen, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen und umzukehren.

Zwar handelt es sich nicht um einen formellen Verhandlungsprozess der UN-Klimarahmenkonvention, dennoch verfolgen viele Staaten und Organisationen die Entwicklung der Roadmap mit großem Interesse. Sie soll aufzeigen, welche politischen Maßnahmen, Finanzierungsinstrumente und Partnerschaften notwendig sind, um Wälder langfristig zu schützen.

Für uns ist klar: Ohne intakte Wälder werden die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht erreichbar sein. Deshalb beobachten wir die Diskussionen rund um die Roadmap aufmerksam. Besonders wichtig ist dabei, dass nicht nur die reine Waldfläche betrachtet wird. Auch die Degradierung von Wäldern – also der Verlust ihrer ökologischen Funktionen trotz bestehender Baumdeckung – muss stärker berücksichtigt werden. Nur so können Wälder langfristig als Kohlenstoffspeicher, Lebensraum und Grundlage für lokale Gemeinschaften erhalten bleiben.

Der Weg nach Antalya

Die Bonner Klimaverhandlungen werden oft als “Arbeitskonferenz” bezeichnet. Hier werden selten die großen politischen Durchbrüche erzielt. Stattdessen schaffen sie die Grundlage für die Entscheidungen, die später auf den Weltklimakonferenzen getroffen werden.

Die SB 64 standen daher ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die COP 31 in Antalya. Viele der in Bonn begonnenen Diskussionen – von Klimafinanzierung über Anpassung bis hin zur gerechten Transformation – werden dort fortgesetzt und hoffentlich in konkrete Beschlüsse überführt. Beobachter*innen beschreiben die diesjährigen Verhandlungen als wichtigen Test dafür, ob die internationale Klimapolitik den Schritt von Ankündigungen zur Umsetzung tatsächlich schafft.

Für uns bleibt dabei klar: Eine wirksame Klimapolitik braucht nicht nur ambitionierte Ziele, sondern auch ausreichende Finanzierung, soziale Gerechtigkeit und die aktive Beteiligung junger Menschen. Die Gespräche in Bonn haben gezeigt, dass diese Themen zunehmend zusammen gedacht werden. Nun kommt es darauf an, dass den Diskussionen in Antalya konkrete Entscheidungen folgen.

Bleibe auf dem Laufenden über Klimapolitik und Waldschutz mit unserem Newsletter.

Häufige Fragen zu den Bonner Klimaverhandlungen (SB 64)

Was sind die SB 64?

Die SB 64, die Subsidiary Bodies, sind die 64. Sitzungen der Nebenorgane der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Sie dienen als wichtigstes Vorbereitungstreffen für die nächste Weltklimakonferenz COP 31.

Warum sind die Bonner Klimaverhandlungen wichtig?

In Bonn werden viele technische und politische Grundlagen für spätere Entscheidungen auf den Weltklimakonferenzen ausgearbeitet. Die Verhandlungen beeinflussen damit maßgeblich die internationale Klimapolitik.

Welche Themen standen bei der SB 64 im Mittelpunkt?

Zu den wichtigsten Themen gehörten Klimafinanzierung, Jugendbeteiligung, Klimabildung (ACE), Waldschutz, Entwaldung und der Belém–Antalya Mechanism für eine gerechte Transformation.

Wann findet die COP 31 statt?

Die COP 31 findet im November in Antalya statt und baut auf den Verhandlungen und Ergebnissen der SB 64 auf.