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17. Juni 2026
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Sagar Aryal

Mehr Geld für lokale Gemeinschaften? Kann der größte Umweltfonds der Welt sein Versprechen einlösen?

Sagar Aryal (CTO bei Plant-for-the-Planet) ist außerdem stellvertretender Vorsitzender des GEF-CSO Network und leitete die Delegation der Zivilgesellschaft bei den Verhandlungen zur Wiederauffüllung des Global Environment Facility (GEF-9). Plant-for-the-Planet ist Mitglied dieses Netzwerks.


In der Landschaft Gran Calakmul auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko renaturieren unsere Teams Waldflächen in einer der kohlenstoffreichsten Tropenregionen Amerikas. Plant-for-the-Planet erhält keine Fördermittel aus der Global Environment Facility (GEF). Dennoch wird die Landschaft, in der wir arbeiten, seit mehr als 20 Jahren durch GEF-finanzierte Programme geprägt – unter anderem durch Schutzgebietsinitiativen, ein regionales Waldschutzprogramm und zuletzt einen Biodiversitätsfonds, der das Biosphärenreservat Balam Kú als Pilotgebiet unterstützt.
Unsere Arbeit ergänzt diese internationalen Investitionen mit unabhängigen Mitteln und schafft Wirkung weit über einzelne Projektflächen hinaus – etwa durch unser Renaturierungsprojekt auf der Yucatán-Halbinsel oder unser Engagement im Balam Beh-Jaguarkorridor.

Das beschreibt die Realität des GEF ziemlich treffend. Er ist der weltweit größte multilaterale Fonds für den Schutz der globalen Umwelt, wobei Biodiversität den größten Förderbereich ausmacht. Dennoch haben viele Menschen, die Bäume pflanzen, Schutzgebiete betreuen oder gemeinschaftliche Baumschulen aufbauen, noch nie ein GEF-Logo gesehen. Die Fördergelder fließen meist über große internationale Organisationen wie UNDP, UNEP, die Weltbank oder die IUCN. Lokale Organisationen oder Gemeinschaften erhalten nur selten direkte Unterstützung.

Zumindest auf dem Papier soll sich das nun ändern. Ob daraus auch in der Praxis ein echter Wandel entsteht, wird sich erst zeigen.

Der Wandel: Das 20-Prozent-Ziel

Bei der Wiederauffüllung des GEF-9 einigten sich die Mitgliedstaaten auf einen bemerkenswerten Schritt: 20 Prozent der GEF-9-Fördermittel sollen künftig für Maßnahmen vorgesehen werden, die von Indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften getragen werden. Dabei geht es nicht um einen kleinen Sonderfonds, sondern um ein Fünftel des gesamten Programms – für diejenigen Menschen, die die Ökosysteme, die der GEF schützen möchte, tagtäglich erhalten und pflegen.

Entscheidend ist jedoch ein Wort: angestrebt. Die 20 Prozent sind kein verbindliches Mindestziel, sondern eine ambitionierte Selbstverpflichtung. Trotzdem ist diese Formulierung von großer Bedeutung. Sie bezieht sich ausdrücklich auf Indigene Völker und lokale Gemeinschaften – also auf diejenigen, deren Rechte unmittelbar mit den betroffenen Landschaften verbunden sind – und nicht auf den deutlich unschärferen Begriff der „lokalen Akteur*innen“.

Für uns als Zivilgesellschaft ist das ein wichtiger Erfolg. Wenn das GEF-CSO Netzwerk von Zivilgesellschaft spricht, umfasst das Indigene Völker, lokale Gemeinschaften, junge Menschen und Frauen gleichermaßen. Das 20-Prozent-Ziel stärkt damit die gesamte Gruppe. Für eine solche Zusage setzen wir uns seit vielen Förderzyklen ein – auch direkt während der GEF-9-Verhandlungen. Denn wir sind überzeugt: Wirksamer Klima- und Naturschutz braucht nicht nur Geld, sondern auch die Menschen vor Ort. Lies mehr darüber hier.

Warum große Umweltfonds lokale Realitäten oft nur schwer erreichen

Es gibt jedoch einen Punkt, der leicht übersehen wird. Der GEF wurde geschaffen, um möglichst effizient zu arbeiten: große Projekte, erfahrene Durchführungsorganisationen und messbare Ergebnisse im großen Maßstab. Dieses Modell hat viel bewirkt. Gleichzeitig macht genau diese Struktur es schwierig, kleinere lokale Organisationen oder Initiativen Indigener Gemeinschaften direkt zu fördern.

Auch das unabhängige Evaluierungsbüro des GEF weist seit Jahren auf dieses Problem hin. Fördermittel bis zu den Menschen zu bringen, die über lokales und indigenes Wissen verfügen, widerspricht einem System, das auf große, standardisierte und leicht überprüfbare Finanzströme ausgelegt ist. Gute Absichten auf internationaler Ebene kommen deshalb nicht automatisch bei einer gemeinschaftlich betriebenen Baumschule an.

Hinzu kommt: GEF-9 wurde in einer Phase sinkender Mittel beschlossen. Während für GEF-8 noch rund 5,25 Milliarden US-Dollar zugesagt wurden, stehen für GEF-9 etwa 3,9 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Das 20-Prozent-Ziel bezieht sich also auf einen kleineren Gesamtfonds. Dadurch ist es zugleich mutiger und anfälliger: Die Priorität steigt, obwohl das verfügbare Budget sinkt.

Diese Spannung zeigt sich besonders deutlich beim Small Grants Programme. Ausgerechnet in dem Förderzyklus, in dem das 20-Prozent-Ziel beschlossen wurde, wurde der zentrale Etat dieses Programms – der direkteste Förderkanal für lokale Organisationen – um rund 20 Millionen US-Dollar gekürzt.
Zwar bleibt der Kernfonds bestehen, und einzelne Länder können ihn aus ihren nationalen STAR-Budgets aufstocken. Diese zusätzlichen Mittel sind jedoch freiwillig und nicht garantiert. Damit hängt die Zukunft des gemeinschaftsnahesten Förderinstruments davon ab, ob sich einzelne Staaten aktiv dafür entscheiden.
So entsteht ein Widerspruch: Einerseits gibt es ein ambitioniertes politisches Ziel, andererseits wird genau der Förderkanal geschwächt, der lokale Gemeinschaften am zuverlässigsten erreicht.

Wie Fördergelder tatsächlich in der Renaturierung ankommen

insgesamt verändert. Immer mehr Geldgebende verabschieden sich von kurzfristigen Projektaufrufen und setzen stattdessen auf langfristige Partnerschaften mit lokal verankerten Organisationen. Der GEF holt diesen Wandel nun schrittweise nach. Für Organisationen, die Renaturierungsprojekte umsetzen, sind dabei vor allem zwei Förderinstrumente wichtig.

Das erste ist das Small Grants Programme. Es vergibt kleinere Zuschüsse direkt an Gemeinschaftsorganisationen und lokale NGOs. Für viele Renaturierungsprojekte war dies der Einstieg in die internationale Förderung. Das Programm bleibt vergleichsweise klein, lässt sich nur begrenzt ausweiten und musste in diesem Förderzyklus Kürzungen hinnehmen. Gleichzeitig verändert sich seine Struktur. Während das Programm lange ausschließlich über das UNDP umgesetzt wurde, beteiligen sich inzwischen auch die FAO und Conservation International. Dadurch könnten künftig mehr Wege entstehen, über die lokale Organisationen Zugang zu Fördermitteln erhalten.

Das zweite wichtige Instrument ist die Inclusive Conservation Initiative, die von Indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften geleitete Naturschutzprojekte unterstützt. Hier gibt es tatsächlich gute Nachrichten: Das Budget der Initiative ist im Rahmen von GEF-9 von rund 25 Millionen auf etwa 100 Millionen US-Dollar angewachsen – also auf das Vierfache. Das ist ein deutliches Signal, dass gemeinschaftsgetragener Naturschutz nicht nur politisch unterstützt, sondern auch finanziell gestärkt werden soll.

Plant-for-the-Planet erhält keine Mittel aus einem dieser Programme. Unsere Renaturierungsarbeit auf der Halbinsel Yucatán basiert auf einer eigenen Vereinbarung mit der Regierung sowie auf der Unterstützung unserer Spender*innen. Über unsere Renaturierungsplattform besteht dennoch eine enge Verbindung zum GEF. Die digitale Plattform unterstützt inzwischen mehr als 300 Renaturierungsprojekte weltweit dabei, Spenden einzuwerben, ihre Flächen zu verwalten und ihre Fortschritte transparent nachzuverfolgen. Viele dieser Organisationen haben in der Vergangenheit Fördermittel aus dem GEF erhalten – häufig über das Small Grants Programme. Andere arbeiten in Landschaften, deren Schutz durch GEF-Finanzierung überhaupt erst ermöglicht wurde. Die Stärke dieser internationalen Förderstrukturen beeinflusst deshalb das gesamte Umfeld, in dem wir tätig sind.

Mehr Durchführungsorganisationen sind ein Anfang – aber keine schnelle Lösung

GEF-9 öffnet außerdem die Tür für neue Durchführungsorganisationen (Agencies). Damit möchte der Fonds künftig mehr Partner gewinnen, die Fördergelder bis zu lokalen Gemeinschaften bringen können.
Für die langfristige Entwicklung ist das ein wichtiger Schritt. Kurzfristig wird er jedoch kaum Auswirkungen haben. Neue Agencies benötigen im Durchschnitt rund drei Jahre, bis sie vollständig arbeitsfähig sind. Während der GEF-9-Laufzeit werden ihre Effekte daher begrenzt bleiben.

Realistisch betrachtet schafft GEF-9 vor allem die Grundlage. Die eigentlichen Veränderungen dürften erst mit GEF-10 sichtbar werden, wenn neue Agencies etabliert sind und erste Erfahrungen vorliegen.

Wann aus einem Ziel messbare Ergebnisse werden

Eine politische Selbstverpflichtung wird erst dann glaubwürdig, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Sie muss erfasst, veröffentlicht und gemeinsam mit den betroffenen Gemeinschaften umgesetzt werden.

Erfasst werden muss bereits bei der Projektplanung, ob Indigene Völker und lokale Gemeinschaften tatsächlich die Umsetzung leiten – etwa als durchführende Organisation oder mit echter Entscheidungskompetenz – und nicht lediglich erwähnt werden. Die Ergebnisse müssen anschließend in den öffentlichen Berichten und Kennzahlen des GEF erscheinen, damit Fortschritte über mehrere Förderzyklen hinweg nachvollziehbar bleiben.
Und schließlich brauchen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft sowie Indigener Völker und lokaler Gemeinschaften einen echten Platz an den Tischen, an denen über nationale Förderportfolios entschieden wird – nicht nur als Beobachtende am Rand.

Genau dafür setzt sich das GEF-CSO Network derzeit ein. Nicht für ein weiteres Schlagwort, sondern für transparente Verfahren, anhand derer überprüft werden kann, ob das 20-Prozent-Ziel tatsächlich erreicht wird.

Warum wir optimistisch bleiben

Angesichts der Kürzungen beim Small Grants Programme und der unverbindlichen Formulierung des 20-Prozent-Ziels könnte man zu dem Schluss kommen, dass sich letztlich nichts verändert hat. Das greift jedoch zu kurz. Ein Fonds in der Größenordnung des GEF schreibt ein solches Ziel nicht zufällig in seine zentralen Vereinbarungen. Gleichzeitig zeigt die Vervierfachung der Mittel für die Inclusive Conservation Initiative, dass bereits heute mehr Geld in gemeinschaftsgetragene Naturschutzprojekte fließt – nicht irgendwann in der Zukunft. Die Richtung stimmt.

Jetzt geht es darum, diese Entwicklung konsequent weiterzuverfolgen und belastbare Nachweise zu schaffen. Dann könnte bei GEF-10 nicht mehr die Frage im Mittelpunkt stehen, ob lokale Gemeinschaften erfolgreich Naturschutz umsetzen können, sondern wie groß ihr Anteil an den Fördermitteln künftig sein sollte. Aus unserer Sicht liegt die Antwort bei 30 bis 40 Prozent – nicht als bloßes Ziel, sondern auf Grundlage nachweisbarer Erfolge.

Von unseren Renaturierungsprojekten auf der Halbinsel Yucatán aus betrachtet ist die Perspektive eindeutig: Der größte Umweltfonds der Welt hat entschieden, dass die Menschen, die der Natur am nächsten sind, künftig auch näher an den Fördermitteln sein sollen. Wir wollen dazu beitragen, dass aus diesem Anspruch Realität wird.