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Projektfinanzierung: Beteiligung von lokalen Gemeinschaften ausschlaggebend bei der Vergabe von Fördermitteln

  • Die aktive Suche nach bewährten Projekten löst offene Ausschreibungen ab.
  • Lokales Engagement und langfristiger Landbesitz sind mittlerweile die wichtigsten Voraussetzungen für finanzielles Engagement.
  • Etablierte Projekte bekommen den Vorzug vor jungen Projekten, die auf Zukunftsversprechen basieren.
  • Langfristiger Erfolg hängt von der Unterstützung lokaler Lebensgrundlagen wie der Agroforstwirtschaft ab.
  • Die Führungsrolle von Frauen wird als zentrale Säule der Projektstabilität angesehen.
  • Gesunde Ökosysteme und einheimische Arten werden höher bewertet als hohe Pflanzzahlen.

Lange Zeit folgte die weltweite Finanzierung von Wald-Renaturierungsmaßnahmen einer relativ vorhersehbaren Logik: Organisationen veröffentlichten offene Ausschreibungen, Projekte konkurrieren um begrenzte Fördermittel, und die Bewerber*innen wurden oft anhand messbarer Umweltindikatoren wie Anzahl renaturierter Hektar oder gepflanzter Bäume bewertet. Diese Indikatoren sind weiterhin relevant, doch der Renaturierungssektor richtet den Blick zunehmend auch auf die sozialen Strukturen hinter den Projekten.

Heute interessieren sich viele internationale Organisationen zunehmend für Wiederaufforstung-Initiativen, die auf eine enge Beziehungen zu lokalen Gemeinschaften aufbauen, eine langfristige ökologische Planung aufweisen und eine klare Vorstellung haben, wie die lokale Bevölkerung teilnehmen soll. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass Renaturierung nicht allein durch kurzfristige Maßnahmen gelingen kann. Wälder entwickeln sich über Jahrzehnte hinweg und Renaturierungsprojekte benötigen soziale Strukturen, die ebenso lange Bestand haben.

Wir haben kürzlich über diesen Wandel nachgedacht, nachdem unser Renaturierungsprojekt in Ghana direkt vom World Resources Institute (WRI) angesprochen und eine Förderzusage erhalten hatte. Das Besondere: Unser Projekt hatte sich nicht auf eine allgemeine öffentliche Ausschreibung beworben. Es wurde stattdessen ausgewählt, weil es als gewachsene Initiative mit einer Renaturierungsstrategie aufgefallen war, die die lokale Gemeinde miteinbezieht. Diese Erfahrung veranlasste uns, tiefer darüber nachzudenken, welche Arten von Waldrenaturierungsprojekten heute Unterstützung finden und wie sich die Renaturierung weltweit verändert.

Natürlich gibt es keine Erfolgsformel für Förderanträge. Organisationen setzen unterschiedliche Schwerpunkte und verfolgen verschiedene Förderansätze. Dennoch sind uns bei der Arbeit an „Plant-for-Ghana“ und in der Beobachtung allgemeiner Entwicklungen im Bereich der Waldrenaturierung mehrere Merkmale aufgefallen, die bei Projekten mit langfristiger Unterstützung immer wieder zu finden sind.

1. Die Einbindung der lokalen Bevölkerung ist zu einem zentralen Bestandteil der Renaturierung geworden

Eine der deutlichsten Veränderungen in der weltweiten Renaturierungsarbeit ist die wachsende Bedeutung gemeindebasierter Ansätze. In der Vergangenheit konzentrierten sich Naturschutzprojekte oft hauptsächlich auf den Schutz des Landes selbst, während lokale Gemeinschaften bei Umweltentscheidungen außen vor gelassen wurden. Im Laufe der Zeit erkannten viele Organisationen, dass Renaturierungsprojekte nur schwer bestehen können, wenn die lokale Bevölkerung davon ausgeschlossen wird.

Wälder sind eng mit den Lebensgrundlagen, der Landwirtschaft, Weidesystemen, dem Zugang zu Wasser und kulturellen Praktiken verbunden. Aus diesem Grund ist die Renaturierung zunehmend mit langfristigen Beziehungen zu den Gemeinden selbst verknüpft.

Bei „Plant-for-Ghana“ prägt die Einbindung der Gemeinden das Projekt von Grund auf. Die Gemeindemitglieder beteiligen sich an der Arbeit in der Baumschule, am Pflanzen, an der Pflege, an der Überwachung und an vielen anderen Aktivitäten. Es finden regelmäßig Treffen statt, um Projektentscheidungen und Prioritäten zu besprechen, und Vertreter der Gemeinden sind an der Gestaltung der Ausrichtung der Renaturierungsarbeit selbst beteiligt.

Auch die langfristige Landvereinbarung spiegelt diese Philosophie wider. Das renaturierte Land wird nach Jahrzehnten der Renaturierung und Bewirtschaftung schließlich vollständig in den Besitz der Gemeinde zurückkehren, was bedeutet, dass das Projekt auf zukünftige lokale Verantwortung und nicht auf dauerhafte Kontrolle von außen ausgerichtet ist.

2. Organisationen unterstützen zunehmend Projekte, die bereits Kontinuität nachweisen

Eine weitere auffällige Veränderung besteht darin, dass viele globale Organisationen nun genau prüfen, ob Renaturierungsmaßnahmen bereits funktionieren, bevor sie umfangreiche Unterstützung gewähren. Es herrscht wachsende Vorsicht gegenüber Projekten, die in erster Linie auf ehrgeizigen Versprechungen beruhen, ohne dass sichtbare Umsetzungsstrukturen vorhanden sind. Die Renaturierung ist zu einem Bereich geworden, in dem Vertrauen und langfristiges Engagement eine entscheidende Rolle spielen.

„Plant-for-Ghana“ hat sich über Jahre hinweg schrittweise entwickelt. Bevor die groß angelegte Renaturierung begann, gab es bereits ein jahrelanges Engagement von Plant-for-the-Planet Ghana in der Region. Mit Klimabildung und Jugendempowerment wurde eine Basis gelegt, auf der lokale Organisationsentwicklung wachsen konnte. Das Renaturierungsprojekt wurde schließlich durch den Aufbau von Baumschulen, Partnerschaften mit Ökologieexpert*innen und kontinuierliche Überwachungsarbeit stetig weiter ausgebaut.

Diese Kontinuität ist wichtig, denn Renaturierung ist an sich ein sehr langsamer Prozess! Ökosysteme lassen sich nicht innerhalb eines einzigen Förderzyklus wiederaufbauen, und viele Organisationen erkennen zunehmend, dass eine erfolgreiche Renaturierung von langfristiger Anpassung und Beharrlichkeit abhängt.

3. Von Renaturierungsprojekten wird zunehmend erwartet, dass sie lokale Lebensgrundlagen berücksichtigen

Eine weitere wichtige Veränderung ist die Erkenntnis, dass Umweltzerstörung oft direkt mit wirtschaftlichem Druck verbunden ist. In vielen Regionen werden Aktivitäten wie die Holzkohleproduktion oder nicht nachhaltige Abholzung fortgesetzt, weil die Gemeinden wirtschaftlich davon abhängig sind. Renaturierungsprojekte müssen daher zunehmend berücksichtigen, wie sich die lokalen ökonomischen Realitäten in die Naturschutzbemühungen einfügen.

Bei „Plant-for-Ghana“ wurden die Renaturierungsmaßnahmen deshalb mit Agroforstansätzen kombiniert, so ist die Entwicklung des Projekts langfristige mit wirtschaftlichen Chancen für die Gemeinde verknüpft. Frauen und junge Menschen werden direkt in Renaturierungsaktivitäten, die Arbeit in Baumschulen, die Überwachung und Umweltbildungsprogramme einbezogen. Dies spiegelt ein breiteres Verständnis innerhalb des Renaturierungssektors wider, dass ökologische Ziele und soziale Realitäten eng miteinander verflochten sind. Projekte werden in der Regel widerstandsfähiger, wenn lokale Gemeinschaften realistisch vom langfristigen Erfolg der Renaturierung selbst profitieren können.

4. Die Beteiligung von Frauen ist zu einem wichtigen Bestandteil der Planung von Renaturierungsmaßnahmen geworden

Im Laufe der Jahre hat die Gleichstellung der Geschlechter auch bei der Finanzierung von Renaturierungsmaßnahmen an Bedeutung gewonnen. Viele Organisationen prüfen mittlerweile sorgfältig, ob Frauen an der Projektsteuerung, der Einbindung der Gemeinschaft und an mit den Renaturierungsarbeiten verbundenen wirtschaftlichen Chancen gleichberechtigt beteiligt werden. Dies fußt auf der Erkenntnis, dass Frauen oft wichtige Rollen in der lokalen Landbewirtschaftung, den Ernährungssystemen und der Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft spielen.

Bei „Plant-for-Ghana“ beteiligen sich Frauen an Projektgremien, Renaturierungsmaßnahmen, Schulungsprogrammen zur Biodiversität und mit dem Projekt verbundenen Initiativen zur Sicherung des Lebensunterhalts. Ihre Einbindung ist in die Struktur der Renaturierungsarbeit selbst integriert und wird nicht als separater Zusatz behandelt. Dieser Wandel lässt sich zunehmend bei Renaturierungsprojekten weltweit beobachten, insbesondere bei gemeindebasierten Modellen.

5. Ökologische Glaubwürdigkeit ist wichtiger als bloße Pflanzzahlen

Auch bei der Entwicklung von Renaturierungsstrategien geht man mittlerweile vorsichtiger damit um, sich ausschließlich auf große Pflanzziele zu konzentrieren. Im Laufe der Zeit hat die Diskussion um Überlebensraten, Biodiversität, einheimische Arten und die ökologische Eignung von Renaturierungsmethoden an Bedeutung gewonnen. Organisationen fragen zunehmend, wie sich die Renaturierung in das lokale Ökosystem einfügt und ob Projekte auf langfristige ökologische Widerstandsfähigkeit ausgelegt sind.

Der Ansatz von „Plant-for-Ghana“ folgt diesen Wandel hin zur adaptiven Renaturierung. Das Projekt kombiniert die Anpflanzung einheimischer Bäume, integriert Agroforstsysteme, unterstützt natürliche Verjüngung und Artenvielfalt sowie Renaturierungsmethoden, die speziell auf Savannenökosysteme zugeschnitten sind.

Sowohl Ökologieexpert*innen als auch lokales Wissen spielen eine Rolle bei der Gestaltung der Renaturierungsstrategien im Laufe der Zeit. Dies ist besonders wichtig, da Savannenökosysteme trotz ihrer ökologischen Bedeutung in der Vergangenheit weitaus weniger Aufmerksamkeit im Bereich der Renaturierung erhalten haben als Regenwälder.

Renaturierung wird zunehmend mit langfristiger sozialer Resilienz verknüpft

Bei all diesen Veränderungen wird deutlich, dass Renaturierung als ein zugleich langfristiger sozialer und ökologischer Prozess verstanden wird. Projekte werden sowohl anhand ökologischer Ergebnisse als auch anhand von Governance-Strukturen, dem Vertrauen der Bevölkerung und der lokalen Beteiligung bewertet. Internationale Organisationen zeigen zunehmend Interesse an Projekten, die sich auch lange nach Ablauf der Förderperiode weiterentwickeln können.

Als Renaturierungsorganisation lernen wir selbst immer noch kontinuierlich aus diesem Prozess. Langfristige Waldrenaturierung hängt stark von den Menschen ab, die tagtäglich mit diesen Ökosystemen leben. Die Zukunft der Renaturierungsfinanzierung wird sich wahrscheinlich weiterhin in Richtung von Projekten entwickeln, die ökologische Renaturierung mit echter lokaler Eigenverantwortung und langfristigem Engagement der Bevölkerung verbinden.