
In Kolumbien treffen sich Staaten und Zivilgesellschaft zur ersten Konferenz für den globalen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien. Worum es dabei genau geht und wie ihr euch beteiligen könnt, erfahrt ihr hier.
Die wissenschaftlichen Fakten liegen seit Langem auf dem Tisch: Durch die Verbrennung von Erdöl, Gas und Kohle verursacht die Menschheit die aktuelle Erhitzung der Erdatmosphäre und damit die bereits spürbaren Auswirkungen der Klimakrise. Um die Welt, in der wir leben, vor einer unkontrollierbaren Katastrophe zu bewahren – konkret der Überschreitung von Klimakipppunkten – ist es notwendig, dass sich die Menschheit von der Verbrennung dieser vor Millionen von Jahren entstandenen fossilen Rohstoffe verabschiedet. Das bedeutet auch, eine neue Wirtschaftsweise aufzubauen mit dem Ziel, solidarisch und friedlich als Weltgemeinschaft auf der Erde zusammenzuleben und die Ausbeutung von Menschen und der Natur zu beenden.
Um der Klimakrise zu begegnen, wurden die UN-Klimaverhandlungen ins Leben gerufen. Die globalen Ziele und die daraus abgeleiteten nationalen Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen sollen der Weg raus aus der Klimakrise sein. Doch wie genau können wir gemeinsam und gerecht aus der Nutzung fossiler Rohstoffe aussteigen und eine gerechte Transformation gestalten? Im Übereinkommen von Paris (dem zentralen Klimaschutzabkommen, auf das sich nationale Klimapläne stützen) wird ein entscheidender Punkt nicht konkret benannt: die Notwendigkeit eines klaren Fahrplans für den Ausstieg aus fossilen Energien.
Eine Einigung auf globaler Ebene gelang erst auf der Weltklimakonferenz in Dubai. Nach intensiven Verhandlungen wurde dort erstmals die Formulierung einer „Abkehr von fossilen Brennstoffen in Energiesystemen auf gerechte, geordnete und ausgewogene Weise …“ beschlossen. Auf der Weltklimakonferenz 2025 in Brasilien konnte sich die Staatengemeinschaft jedoch nicht dazu durchringen, weitergehende Beschlüsse zu fassen, wie etwa einen konkreten Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Die Lage ist aber zu dringlich, um politischen Stillstand hinzunehmen. Deshalb haben mehrere Staaten beschlossen, voranzugehen und die Verhandlungen weiterzuführen.
So entstand der Aufruf zur ersten Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern und für eine gerechte Transformation, die von den Regierungen Kolumbiens und der Niederlande geleitet wird und vom 24. Bis 29. April 2026 stattfindet.
Zum Konferenzstart: Klimagerechten Wohlstand global aufbauen
Der Ausstieg aus fossilen Energien betrifft private und öffentliche Investitionen, nationale Gesetze und internationale Vereinbarungen. Das Climate Action Network Europe (CAN Europe) hat im Vorfeld der Konferenz in Santa Marta unter anderem folgende zentrale Forderungen formuliert:
- Globalen Ausstiegsplan für fossile Energien voranbringen: Ein klarer Plan für den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energien muss etabliert werden. Dazu gehört, die Ausweitung von Kohle, Öl und Gas sofort zu stoppen und verbindliche Zeitpläne für ihren Ausstieg festzulegen.
- Öffentliche Gelder umlenken: Staatliche Unterstützung für fossile Energien sollte beendet werden. Stattdessen müssen diese Mittel in erneuerbare Energien, einen gerechten Übergang und soziale Absicherung fließen. Auch Übergewinne fossiler Unternehmen sollten stärker besteuert werden.
- Internationale Klimafinanzierung ausbauen: Die bereits zugesagten 300 Milliarden US-Dollar an globaler Klimafinanzierung müssen als verlässliche, möglichst nicht rückzahlbare Mittel bereitgestellt werden. Gleichzeitig braucht es Lösungen für Länder, die aufgrund hoher Schuldenlasten nicht die notwendigen Investitionen stemmen können, um ihre Infrastruktur klimagerecht umzubauen und Anpassungsmaßnahmen umzusetzen. Besonders betroffen sind oft jene Länder, die die Klimakrise am stärksten spüren.
- Rechtliche Hürden abbauen: Klagerechte für Investoren (ISDS) erschweren häufig den Ausstieg aus fossilen Energien. Staaten sollten solche Regelungen künftig ausschließen, bestehende Verträge überprüfen und gemeinsam Wege finden, sich daraus zu lösen.
Ausstieg aus fossilen Energien in Santa Marta – Werde Teil der Geschehnisse
Parallel zur ersten internationalen Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien in Santa Marta findet die Konferenz „People’s Summit for a Fossil Free Future“ statt – der zivilgesellschaftliche Gegenraum zu den offiziellen Verhandlungen.
Vom 24. bis 26. April kommen dort soziale Bewegungen, Organisationen und Initiativen aus aller Welt zusammen, um gemeinsame Forderungen zu entwickeln und politische Stärke von unten aufzubauen. Ziel ist es, eine breite globale Einigung für einen schnellen, gerechten und sozial ausgewogenen Übergang zu erneuerbaren Energien zu erreichen. Dafür werden drei zentrale Dokumente erarbeitet: gemeinsame Prinzipien, konkrete Forderungen und „the People’s Roadmap – ein Fahrplan der Menschen“.
Diese Positionen werden am 27. April in die offiziellen Verhandlungen eingebracht – über die „Assembly of the People“. Organisiert wird der Gipfel von einem breiten Bündnis aus über 900 Organisationen und Netzwerken weltweit. Gemeinsam schaffen sie eine Plattform für die Stimmen zivilgesellschaftlicher Organisationen, indigener Gemeinschaften, von Rassismus betroffener Bevölkerungsgruppen, feministischer Bewegungen, Jugendlicher, Arbeiter*innen und vieler weiterer Akteur*innen.
Über die Website des People’s Summit können Veranstaltungen auf der ganzen Welt eingesehen werden, an denen ihr vor Ort teilnehmen könnt. Klicke hier, um mehr zu erfahren. Zudem gibt es vielfältige Aktionsideen, die ihr mit eurer lokalen Klimagruppe organisieren könnt. Mehr erfährst du hier.
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