
- Kinder in Indien und Nepal nehmen an langfristigen Mentoring-Gruppen von Plant-for-the-Planet teil, in denen sie das ganze Jahr über an Umweltprojekten arbeiten.
- Dharmendra Kapri und Sudeep Ghimire organisieren seit Jahren Akademien und stärken junge Botschafter*innen für Klimagerechtigkeit in ihren lokalen Gemeinschaften.
- Das Mentorenprogramm hilft den Schülern, durch Ökoparks, Handwerksworkshops, Kompostierungsprojekte, Aktivitäten zur Klimabildung und gemeinsame Umweltinitiativen in Schulen miteinander in Verbindung zu bleiben.
- Beide Organisatoren legen großen Wert auf lokale Umweltbildung, nachhaltige Praktiken im Alltag und darauf, Kindern durch praktische Erfahrungen ein langfristiges Umweltbewusstsein zu vermitteln.
- In ländlichen Schulen in Uttarakhand und Nepal verbinden die Schüler Klimabildung mit ihren eigenen Gemeinden, Landschaften und ihrem Alltag.
Vor mehr als einem Jahrzehnt schlossen sich zwei junge Menschen Plant-for-the-Planet an. Jahre später begleiten Dharmendra Kapri und Sudeep Ghimire nun gemeinsam im Rahmen des Mentorenprogramms von „Plant-for-the-Planet“ in dem Kinder monatelang daran arbeiten, Selbstvertrauen aufzubauen und Teil der #GenerationRestoration zu werden.
Beide haben miterlebt, wie sich das Empowerment-Programm im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat – von eintägigen Akademien hin zu langfristigen Mentoring-Gruppen, die das ganze Jahr über in Kontakt bleiben und auch lange nach Ende der ersten Workshops weiterhin Projekte in den Gemeinden entwickeln. Dieses neue Modell ergänzt unsere regulären Empowerment-Akademien, und wir sind gespannt auf die Ergebnisse.
Wir haben mit den beiden darüber gesprochen, was sich durch das Mentoring-Modell verändert hat und was sie von den Kindern lernen.
Dharmendra Kapri
Umweltbewusstes Handeln und lokale Verantwortung in Indien fördern
Dharmendra kam erstmals über den Öko-Club seiner Schule in Uttarakhand – einer Bergregion im Norden Indiens nahe Nepal, in der Wälder und landwirtschaftliche Traditionen nach wie vor eng mit dem Alltag verbunden sind – mit Umweltaktivitäten in Berührung. Er erinnert sich, dass ihn besonders ein Lehrer inspirierte, der ihm zeigte, dass Umweltarbeit neben den täglichen Verpflichtungen möglich ist.
„Ich habe gelernt, dass man sich für den Umweltschutz engagieren und gleichzeitig sein Berufsleben fortsetzen kann“, erklärt er.
Diese Sichtweise prägt bis heute seine Herangehensweise an die Empowerment-Arbeit. In Mentoring-Sitzungen sagt Dharmendra den Schüler*innen oft, dass Umweltverantwortung Teil des alltäglichen Denkens werden sollte, unabhängig davon, welchen Beruf sie später einmal wählen.
„Man muss keine Umweltwissenschaftlerin oder kein Umweltwissenschaftler werden, um sich für die Umwelt zu interessieren“, sagt er. „Man kann Ärztin oder Arzt, Ingenieur*in, Lehrer*in oder was auch immer werden und trotzdem Umweltbewusstsein in den eigenen Beruf und den Alltag einbringen.“
Genau deshalb sind für ihn lokale und kleinräumige Empowerment-Maßnahmen so wichtig, insbesondere bei der Arbeit mit jüngeren Kindern. Anstatt die Teilnehmer*innen mit weit entfernten globalen Zielen oder Erwartungen zu überfordern, die unerreichbar erscheinen, konzentriert er sich auf praktische Gewohnheiten und kleine Handlungen, die Kinder schon von klein auf realistisch in ihren eigenen Alltag und ihre Gemeinschaften integrieren können.
Oft zeigt er jungen Menschen umweltfreundliche Alternativen zu ihren Alltagsgewohnheiten auf. Er ist davon überzeugt, dass diese Alltagsgewohnheiten im Laufe der Zeit langsam die Art und Weise prägen, wie Kinder über den Zusammenhang zwischen ihren persönlichen Entscheidungen und der Umwelt um sie herum nachdenken.
„Wenn Kinder dieses Bewusstsein schon früh entwickeln, tragen sie es in jeden Bereich ihres zukünftigen Lebens mit“, erklärt er.
Seiner Ansicht nach entfaltet Umweltbewusstsein seine größte Wirkung, wenn es nach und nach Teil der alltäglichen Entscheidungsfindung eines Menschen wird, anstatt nur mit Umweltorganisationen in Verbindung zu bleiben.
„Dieser Bürgersinn sollte Teil dieser Generation werden“, sagt er. „Wenn jemand Wasser verschwendet oder irgendwo Müll wegwirft, sollten Kinder sich trauen, das anzusprechen.“
Diese Idee beeinflusst auch die Struktur der Mentoring-Projekte selbst. Anstatt sich nur auf die Anzahl gepflanzter Bäume oder große symbolische Aktionen zu konzentrieren, fördert Dharmendra Projekte, bei denen die Schüler kontinuierlich in die Pflege der Anlagen eingebunden sind und langfristige Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen.
Die von seinen Mentoring-Gruppen angelegten Ökoparks spiegeln diesen Ansatz am besten wider. Die Schüler teilen sich die Aufgaben wie das Gießen der Pflanzen, die Dokumentation des Wachstums, die Herstellung von Kompost, der Gestaltung der Flächen und die langfristige Überwachung des Pflanzengesundheitszustands untereinander auf. Durch diese Aktivitäten wird die Umweltarbeit zum Alltag, und eine umweltbewusstere Denkweise schlägt in ihrem Leben Wurzeln.
„Wir wollten etwas, das jeden Tag Teil des Schulalltags bleibt“, erklärt er. „Die Kinder sehen den Park weiterhin, kümmern sich um ihn und fühlen sich mit ihm verbunden.“
Dharmendra hat zudem beobachtet, dass jüngere Teilnehmer*innen zunehmend umweltbewusst werden – und zwar in einer Weise, die auch die Erwachsenen in ihrem Umfeld beeinflusst. Während der Mentoring-Sitzungen haben Kinder vorgeschlagen, Einwegverpackungen zu reduzieren, bei Veranstaltungen wiederverwendbare Teller aus den Schulverpflegungsprogrammen auszuleihen und unnötigen Plastikmüll bei Aktivitäten zu vermeiden.
„Diese Ideen kamen direkt von den Schüler*innen“, sagt er. „Sie achten sehr genau auf diese Details.“
Für ihn ist einer der bedeutendsten Aspekte der Empowerment-Arbeit, zu beobachten, wie Kinder langsam Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit, ihre Umgebung zu beeinflussen, entwickeln, – sei es durch Gespräche zu Hause oder durch Gewohnheiten in der Schule.
„Selbst wenn jemand später einmal Ärztin, Arzt oder Ingenieur*in wird“, sagt er, „kann er in seiner Art zu leben, zu arbeiten und mit anderen Menschen umzugehen dennoch umweltbewusst bleiben.“
Sudeep Ghimire
Umweltbildung in ländlichen Gebieten Nepals
Sudeep schloss sich 2012 „Plant-for-the-Planet“ an, nachdem er die Initiative durch Umweltaktivitäten und Projekte zur Jugendbeteiligung in Nepal entdeckt hatte. Besonders inspirierend fand er damals, dass Kinder in ihren Gemeinden aktiv Veranstaltungen organisierten und Bäume pflanzten.
„Ich fühlte mich dieser Idee sehr verbunden, weil die Aktivitäten direkt vor Ort stattfanden“, erklärt er.
Bald darauf leitete er gemeinsam mit einem anderen nepalsichen Aktivisten eine Akademie und engagierte sich zunehmend selbst bei der Organisation dieser Veranstaltungen. Während seines Bachelorstudiums in Indien organisierte er weiterhin Akademien in ganz Südindien, bevor er nach Nepal zurückkehrte und die Arbeit dort fortsetzte.
Sudeep wuchs im ländlichen Nepal auf, wo der Zugang zu außerschulischen Angeboten und Umweltbildung weitaus eingeschränkter war als in größeren städtischen Gebieten. Diese Erfahrung hat seine heutige Herangehensweise an die Empowerment-Arbeit stark geprägt.
„Als ich jünger war, hatte ich immer das Gefühl, dass diese Möglichkeiten nur bestimmte Orte erreichten“, sagt er. „Schüler*innen in ländlichen Gebieten hatten außerhalb des regulären Lehrplans nur sehr begrenzte Möglichkeiten.“
Aus diesem Grund konzentrieren sich viele seiner Aktivitäten heute speziell auf ländliche Schulen und Gemeinden. Derzeit arbeitet er im nepalesischen Distrikt Solukhumbu, der Heimat des Mount Everest, wo der Klimawandel die Gletscher schmelzen lässt, was zu Überschwemmungen, unbeständigem Wetter, starken Regenfälle führt und bereits den Alltag signifikant beeinflusst.
„Wenn wir Umweltprobleme anhand lokaler Beispiele diskutieren, können die Schüler viel schneller einen Bezug dazu herstellen, weil sie diese Veränderungen bereits um sich herum beobachten“, erklärt er.
Die ökologischen Herausforderungen, denen die Region gegenübersteht, werden oft Teil der Mentoring-Gespräche und der Erzählaktivitäten während der Akademien. Sudeep passt viele der Unterrichtsmaterialien an die lokalen Gegebenheiten an, damit die Schüler*innen Umweltkonzepte mit ihrer eigenen Umgebung und ihren eigenen Erfahrungen verknüpfen können.
„Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen der Bildung in den Städten und auf dem Land in Nepal“, sagt er. „Schüler*innen in ländlichen Gebieten sind oft extrem motiviert, weil Möglichkeiten wie diese dort noch sehr selten sind.“
Das Mentoring-Modell ist für ihn besonders bedeutsam geworden, da es den Kindern ermöglicht, über einen längeren Zeitraum hinweg in Verbindung zu bleiben, anstatt nur an einem einzigen Workshop teilzunehmen und danach den Kontakt zu verlieren.
„Das Mentoring hält die Dynamik aufrecht“, erklärte er. „Die Schüler*innen treffen sich weiterhin und können in Ruhe gemeinsam Ideen und Projekte entwickeln.“
Zu den Projekten, die im Rahmen von Mentorengruppen in Nepal organisiert werden, gehören Baumpflanzaktionen, Schulreinigungsaktionen, Handwerksworkshops unter Verwendung von Abfallmaterialien, die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks, Plakatgestaltungsworkshops und viele weitere Umweltprojekte.
Sudeep beschreibt auch, wie die Gruppenarbeit die Beziehungen zwischen den Teilnehmer*innen nach und nach verändert.
„Wenn Schüler*innen über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten, entwickeln sie ganz natürlich eine Verbindung zueinander“, erklärt er.
Im Laufe der Jahre war es für ihn eine der bereicherndsten Erfahrungen, an Schulen zurückzukehren, an denen Jahre zuvor Akademien organisiert worden waren, und zu sehen, wie sich die Projekte im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben.
„Es gibt Schulen, an denen die Bäume, die während früherer Akademien gepflanzt wurden, inzwischen ausgewachsen sind“, sagt er. „Die Lehrkräfte erinnern sich noch immer an die Aktivitäten und die Schüler*innen erinnern sich, daran teilgenommen zu haben.“
Er hat auch beobachtet, wie ehemalige Teilnehmende ihre Umweltarbeit fortsetzen und sich an breiteren Klimadiskussionen in Nepal beteiligen.
„Es gibt Schüler*innen, die vor Jahren an den Akademien teilgenommen haben und nun ihre eigenen Umweltgeschichten in größeren Foren erzählen“, sagt er.
Gleichzeitig bleibt Sudeep realistisch, was die Herausforderungen der langfristigen Mentoring-Arbeit angeht. Schulen tun sich manchmal schwer, Zeit für regelmäßige Mentoring-Sitzungen einzuplanen, da den Schüler*innen dadurch Teile ihres regulären Unterrichts entgehen, während jüngere Teilnehmende gelegentlich Unterstützung benötigen, um praktische Projektideen zu entwickeln, die den lokalen Gegebenheiten und den verfügbaren Ressourcen entsprechen.
Dennoch ist er überzeugt, dass das Mentoring-Modell eine viel stärkere langfristige Wirkung erzielt, da die Schüler*innen über einen längeren Zeitraum hinweg engagiert bleiben und durch wiederholte Aktivitäten und Zusammenarbeit weiterhin Selbstvertrauen entwickeln.
Als er gebeten wurde, das Mentoring-Programm mit einem einzigen Bild zu beschreiben, verglich Sudeep es damit, Luft in einen Reifen zu pumpen, damit dieser sich weiter vorwärtsbewegt.
Für ihn wächst die Bewegung genau durch solche kleinen Momente: Schüler*innen, die in den Klassenzimmern zusammenarbeiten und langsam das Selbstvertrauen aufbauen, auch lange nach Ende der Mentoring-Sitzungen weiterhin Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.
Ortskenntnisse helfen, Programme richtig aufzusetzen
Unser Empowerment-Programm entwickelt sich ständig weiter, um den Bedürfnissen derJugendlichen und unserer Pädagog*innen gerecht zu werden. Dank so motivierter und umsichtiger Clusterleiter wie Sudeep und Dharmendra können wir unsere Empowerment-Arbeit dezentralisieren, vor Ort wirklich etwas bewegen und globale Wirkung entfalten.
Plant-for-the-Planet begann als Organisation, deren Ziel es war, Kinder zu befähigen, sich für ihre Zukunft einzusetzen. Dank unserer Clusterleiter, die die Lücken in der Klimabildung in ihren Regionen verstehen, erreicht unsere Botschaft auch die entlegensten Gemeinden. Denn die Klimakrise betrifft und alle und Klimagerechtigkeit kann nur erreicht werden, wenn alle miteinbezogen werden.
Klicke hier, wenn du mehr über unser Empowerment-Programm erfahren möchtest.
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