
Unter dem Motto „Stronger together: climate, community, democracy“ kamen in Frankfurt am Main rund 60 Teilnehmende aus über 15 Ländern und sechs Kontinenten zusammen. Mit dabei waren inspirierende Expert*innen aus den Bereichen Empowerment und Klimagerechtigkeit, die ihre Erfahrungen und Perspektiven mit den Jugendlichen teilten.
Der diesjährige Youth Summit stellte zwei zentrale Anliegen in den Mittelpunkt: den Wert starker Gemeinschaften zu verdeutlichen und den Stimmen von jungen Menschen, Indigenen sowie marginalisierten Gruppen in der Klimakrise mehr Gehör zu verschaffen.
Egal ob bei der Vorstellung eigener Projekte, beim Austausch mit Mentor*innen oder in gemeinsamen Diskussionen: Während des Summits ging es vor allem darum, wie Gemeinschaften künftig aktiv an Entscheidungen mitwirken können, die ihre eigene Zukunft betreffen.
Wie Klimaschutz gelingt, den die Menschen wirklich wollen

Es war einmal eine Hilfsorganisation, die baute in Gambia eine Toilette für ein Dorf. Eine prächtige, besonders teure Anlage. Was die Organisation dabei völlig vergaß: die Dorfgemeinschaft nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu fragen. Was die Menschen vor Ort tatsächlich brauchten, hatte mit der gebauten Anlage wenig zu tun. Am Ende wurde die Toilette nie wie geplant genutzt, sondern diente den Kindern lediglich als Spielplatz.
Diese Geschichte erzählte Fatou Jeng am zweiten Tag des Youth Summits. Sie ist eine Aktivistin für Klimagerechtigkeit aus Gambia und ist bei Plant-for-the-Planet als International Empowerment Managerin tätig.
Bei einer so internationalen Runde ging es auf dem Summit vor allem darum, jungen Menschen die Kraft demokratischer Teilhabe zu vermitteln. In einer Zeit zunehmender Spaltung und spürbarerer Folgen der Klimakrise brauchen wir dringend die Stimmen derer, die viel zu selten gehört werden. Menschen, die direkt betroffen sind, müssen mitentscheiden können. Es reicht nicht, Lösungen am grünen Tisch zu entwerfen und zu erwarten, dass sie vor Ort funktionieren – ohne vorher zu fragen, was die Gemeinschaften wirklich brauchen.
Fatou ermutigte die Jugendlichen, sich selbst einzuladen und dort Präsenz zu zeigen, wo über ihre Zukunft entschieden wird. Denn wie soll unsere Zukunft aussehen, wenn wir sie nicht gemeinsam gestalten?
Oder wie sie es ausdrückte:
„Wenn du nicht an den Tisch eingeladen wirst, bring deinen eigenen Klappstuhl mit.“
Die Macht liegt in den Händen der Jugend und in ihrem Mut, sich einzumischen. Genau diese Haltung möchten wir jungen Generationen bei Veranstaltungen wie dem Youth Summit weitergeben.
Vorsicht vor Symbolpolitik: Wichtige Erkenntnisse vom Summit
Clara Stuchtey von youPan, die auf dem Podium einer Veranstaltung im Rahmen des Youth Summits saß, betonte den Unterschied zwischen einer bloßen Einladung und dem tatsächlichen Gehörtwerden.
Sie warnte die Teilnehmenden vor sogenannte Alibi-Aktionen: Der Praxis, unterrepräsentierte Gruppen nur symbolisch einzubinden, ohne ihnen echten Einfluss auf Entscheidungen zu gewähren.
Mit Blick auf die anstehenden internationalen Klimaverhandlungen war das eine wichtige Mahnung. Auf einer Konferenz oder einem Podium zu sitzen bedeutet noch lange nicht, dass die eigene Stimme ernst genommen wird. Umso wichtiger ist es, Versprachen nachzuverfolgen und Entscheidungsträger*innen an den Ergebnissen ihrer Klimapolitik zu messen.
Institutionen herausfordern: Was wir von Kjelld lernen können
Kjelld Masoud Kroon, Klimaaktivist und Kläger von der karibischen Insel Bonaire, berichtete, wie die Bevölkerung vor Ort rechtliche Wege nutzt, um mehr Klimaschutz einzufordern.
Durch die geografische Lage ist die Insel vom Meeresspiegelanstieg und anderen Folgen der Klimakrise besonders bedroht. Kjelld schilderte das Gefühl der Ohnmacht: Obwohl Bonaire niederländisches Staatsgebiet ist, erhält die Bevölkerung nicht das gleiche Maß an Schutz, Ressourcen und Vorbereitung auf Klimarisiken.
Aus dieser Frustration heraus entstand eine Klimaklage gegen den niederländischen Staat. Im Jahr 2026 entschied das Bezirksgericht Den Haag, dass die Niederlande ihre Menschenrechtspflichten gegenüber der Bevölkerung von Bonaire verletzt haben. Das Gericht verpflichtete die Regierung zu umfassenderen Maßnahmen beim Klimaschutz und bei der Anpassung an die Klimakrise.
Der Fall zeigte den Teilnehmenden eindrucksvoll: Wenn Institutionen Gemeinschaften nicht ausreichend schützen, kann und muss man sie herausfordern.
Der Politikwissenschaftler Luca Hemmerich von der Freien Universität Berlin beleuchtete eine weitere Facette unseres Systems: Demokratische Mitbestimmung macht vor privaten Konzernen meist halt. Große fossile Unternehmen üben enormen Einfluss auf die Zukunft unseres Klimas aus, während die betroffenen Menschen kaum Handlungsspielraum haben.
Zusammen machten die Beiträge von Kjelld und Luca deutlich: Wir müssen bestehende Gesetze und Institutionen nutzen – und sie genau dann hinterfragen, wenn Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt. Die Teilnehmenden verließen die Podiumsdiskussion voller Energie, um sich aktiv für den Wandel und für Klimagerechtigkeit einzusetzen.
Junge Menschen mit großer Wirkung

In den sogenannten Spark Talks hatten die Jugendlichen die Gelegenheit, ihre eigenen Initiativen vorzustellen.
Eine von ihnen war Marta Bernardio. Die junge Ingenieurin entwickelt einen geländegängigen Roboter für die Renaturierung von Wäldern. Die Inspiration dazu kam aus ihrer Kindheit auf dem portugiesischen Land, wo ihr Heimatort von dichten Wäldern umgeben war. Mit den Jahren erlebte sie hautnah mit, wie Entwaldung und die Zerstörung der Natur die Landschaft veränderten.
Marta wuchs in einer Familie auf, die ihr von klein auf Respekt vor der Natur vermittelte. Der Zerstörung der Wälder in ihrer Heimat konnte sie daher nicht tatenlos zusehen.
Der von ihr mitentwickelte Roboter analysiert Umweltdaten wie Wasserhaushalt, Schattenwurf und Hangneigung, um die besten Standorte für junge Bäume zu ermitteln. Das geländegängige Design ist besonders für Portugal wertvoll, da viele Waldflächen schwer zugänglich und gefährlich sind. Marta erklärte dazu:
„In Portugal liegen über 30 Prozent der Waldflächen in steilem, unwegsamem Gelände – im gesamten Mittelmeerraum sind es sogar über 60 Prozent. Das bedeutet: Sobald mehr als zwei Drittel unserer Wälder zerstört sind, bleiben sie oft sich selbst überlassen, weil das Gelände für Menschen schlicht zu gefährlich ist.“
Mit dem Roboter können nun auch Flächen renaturiert werden, die bisher als unzugänglich galten.
„Ich glaube daran: Wer mit dem Traum von Veränderung auf diese Welt kommt, hat auch das Zeug dazu, es zu versuchen. Mehr braucht es nicht. Es wird angsteinflößend sein, einsam und manchmal emotional zehrend. Aber das Gefühl, an einer Welt mitzubauen, in der wir wirklich leben wollen, entschädigt für alles. Es ist so viel größer als wir selbst.“
Martas Präsentation löste Begeisterung im Publikum aus. Während aller Beiträge war dieser Mut spürbar, neue Wege zu denken – getragen vom Rückhalt der Gemeinschaft.
Früchte des Empowerments: Handgewebte Körbe und prägende Gespräche

Zu den bewegendsten Momenten des Summits gehörten die Begegnungen zwischen Teilnehmenden und Mentor*innen.
Dharmendra Kapri brachte handgewebte Körbe mit, die von den von ihm betreuten Kindern und Jugendlichen in Indien geflochten wurden (hier mehr über unser Mentoring-Programm lesen). Indigene Frauen hatten den Kindern beigebracht, Moonj- und Kauna-Gras zu verweben. Die traditionellen Muster spiegeln die tiefe Verbindung zur Natur wider. Diese Körbe machten in Frankfurt greifbar, wie Klimabildung und Empowerment vor Ort aussehen können.
Solche Beispiele verdeutlichten auch, wie das Empowerment-Programm von Plant-for-the-Planet weit über die einzelnen Projektregionen hinauswirkt. Der Austausch mit den regionalen Verantwortlichen zeigte den Jugendlichen, wie wichtig es ist, Wissen über die Klimakrise, Wälder und die eigene Gemeinschaft zu vermitteln – und wie aus lokalen Erfahrungen ein globaler Dialog entsteht.
Für einen Teilnehmer hinterließ Sudeep Ghimire, der Ansprechpartner für Nepal, den stärksten Eindruck:
„Ich habe viele inspirierende Menschen getroffen, aber Sudeep Ghimire wird mir für immer im Herzen bleiben. Er hat uns erzählt, was die Wälder für ihn bedeuten und was Klimaschutz für ihn als Gestalter in Nepal heißt. Er war mehr als ein Mentor: Er hat mir gezeigt, wie sehr es sich lohnt, für einen Planeten zu kämpfen, der unser gemeinsames Zuhause ist – und nicht nur das derer, die es sich leisten können.“
Sudeep brachte auch die Perspektive der Bevölkerung in Nepal in die internationalen Gespräche ein. Er berichtete von den jüngsten Überschwemmungen im Land und schnitt die drängende Frage der Klimafinanzierung an. Befreundete Fachkräfte aus der Wasserkraftbranche blicken durch die wiederkehrenden Flutkatastrophen mit großer Sorge in die Zukunft.
Der engagierte Einsatz der Koordinator*innen verdeutlichte: Klimabildung und Empowerment sind das Bindeglied für wirksamen Klimaschutz – von der Widerstandsfähigkeit vor Ort bis hin zur globalen Klimagerechtigkeit.
Forest Emergency Town Hall: Einsatz für die Wälder
Bei der „Forest Emergency Town Hall“ teilte unser Team drängende Entwicklungen zur Lage der Wälder weltweit.
In Indonesien bedrohen schwere Brände die Wälder und Torfgebiete rund um den Sebangau-Nationalpark. Die Borneo Nature Foundation, eine der Renaturierungsorganisationen auf unserer Plattform, berichtete von einer über 30 Kilometer langen Feuerfront nahe dem Nationalpark. Eine ihrer Renaturierungsflächen mit 45.000 gepflanzten Bäumen wurde durch die Flammen zerstört.
Dieser Vorfall führte den Teilnehmenden vor Augen: Die Wiederherstellung von Wäldern endet nicht beim Pflanzen von Bäumen. Auch renaturierte Ökosysteme sind durch Brände, Dürren und andere Einflüsse gefährdet. Die Organisationen vor Ort brauchen langfristige Unterstützung, um das Erreichte zu schützen.
In den anschließenden Runden arbeiteten die Jugendlichen heraus, wie ihre eigenen Gemeinschaften mit den Wäldern verbunden sind:
Beeinflussen nationale Lieferketten Wälder an anderen Orten der Welt? Gefährdet lokaler Bebauungsdruck unsere Wälder? Bringen Naturkatastrophen die Ökosysteme an ihre Grenzen?
Eine Teilnehmerin aus Frankreich berichtete von den Waldbränden des vergangenen Sommers und betonte, wie wichtig der direkte Austausch mit der Politik ist. Sie plante, eine öffentliche Versammlung mit Vertreter*innen aus der Politik zu organisieren, um das Bewusstsein für Schutz und Renaturierung von Wäldern zu stärken.
Ein Teilnehmer aus Algerien schilderte die extreme Hitze in Nordafrika und die Hürden beim Waldschutz unter diesen Bedingungen. Ein Vertreter aus Kamerun berichtete von der raschen Ausbreitung der Wüste im Norden seines Landes und betonte die Notwendigkeit, alle Kräfte zu bündeln.
Auch der Global Ambassador Council (GAC) schaltete sich ein: Gustavo, Vizepräsident des GAC, sprach über das Potenzial von Universitätsstädten und Studierendengruppen. Sie können sich aktiv für den Waldschutz engagieren und junge Menschen einbinden – selbst wenn sie weit entfernt von den Renaturierungsflächen leben.
Seine Perspektive als Brasilianer war für die Diskussion besonders wertvoll, da der Amazonas-Regenwald und die dort lebenden Gemeinschaften eine Schlüsselrolle für unser globales Klima spielen.
Bei aller Vielfalt überwog eine gemeinsame Haltung: die Entschlossenheit, jetzt Verantwortung für unsere Wälder zu übernehmen.
Gemeinsam stark: Klimaschutz braucht Gemeinschaft

Der Youth Summit brachte Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Lebensrealitäten zusammen. So unterschiedlich ihre Erfahrungen mit der Klimakrise auch waren – im Austausch wurde allen klar, wie nah sie sich in ihren Zielsetzungen sind.
Eine starke Gemeinschaft verbindet Erfahrungen, die sonst isoliert blieben. Sie gibt den Mut, scheinbar unerreichbare Ziele anzugehen. Sie gibt Rückhalt, wenn der erste Versuch fehlschlägt. Und sie schenkt die Gewissheit: Niemand steht mit dem Wunsch nach Veränderung alleine da.
Im Jahr 2019 gingen weltweit mehr als sieben Millionen Menschen für den Klimaschutz auf die Straße – der größte weltweite Protest in der Geschichte. Junge Menschen und Gemeinschaften haben bewiesen, was sie bewegen können. Jetzt gilt es, diese Netzwerke auszubauen und die gemeinsame Energie in konkretes Handeln zu übersetzen.
Wir brauchen Gemeinschaften, die einander zuhören. Institutionen, die bereit sind, sich hinterfragen zu lassen. Und junge Menschen, die ihren eigenen Stuhl an den Tisch mitbringen. Denn am Ende gilt immer: Gemeinsam sind wir stärker.
Inspiriert? Schau dir hier die Bilder vom Youth Summit in Frankfurt an.












